Alle Kapitel sind auf der Grundlage internationaler Studien auf den neuesten Stand der Brustkrebsmedizin gebracht. Auch thematisch gibt es einige neue Schwerpunkte: Die Autorinnen gehen gezielt auf die zunehmende Bedeutung von Biomarkern und genetischen Merkmalen ein. Auch aktuelle Erkenntnisse zur Bestimmung des persönlichen Rückfallrisikos, etwa durch Gen-Expressionsprofile, werden vorgestellt. Ausführlich kommen moderne strahlentherapeutische Ansätze und neue Krebsmedikamente mit einer kritischen Einordnung ihrer Chancen und Risiken zur Sprache.Die Themenbereiche sind nach bewährter Weise in 8 Phasen aufgegliedert, entsprechend dem idealen Behandlungsablauf, wie er in einem Brustzentrum, das nach Europäischen Leitlinien arbeitet, gewährleistet ist.
Damit Sie sich einen ersten Eindruck vom Werk machen können – und auch schon einen konkreten Nutzen davon haben! – können Sie die
Gesprächsnotizen gratis herunterladen und ausdrucken.
Die Gesprächsnotizen, die zu jeder einzelnen der 8 Phasen im Buch vorhanden sind, bieten Ihnen eine Zusammenstellung von Kernfragen, auf deren Beantwortung Sie vor jeder Entscheidung bestehen sollten. Darüber hinaus können Sie darin selbst Ihre ganz persönlichen Fragen notieren sowie Ihre Anmerkungen zum Gespräch mit dem Arzt festhalten. Auch die wichtigsten Ergebnisse aus dem Arztgespräch können Sie hier eintragen und in Ihren Befundordner einsortieren. Sollten Sie mehrere Exemplare benötigen, beispielsweise für eine zweite ärztliche Meinung, können Sie die Dateien auch mehrmals ausdrucken.
Wussten Sie schon …
dass Frauen mit einem hormonsensiblen „Läppchen“-Brustkrebs (lobuläres Mammakarzinom) durch Alkoholkonsum am meisten gefährdet sind?
Das hat jetzt eine Auswertung der Studiendaten von knapp 3000 Frauen ergeben, die an der Studie der Women's Health Initiative (WHI) teilnahmen. Beim „Milchgangs“-Brustkrebs (invasiv-duktales Mammakarzinom) fanden die Wissenschaftler hingegen keinen Bezug zum Alkoholkonsum. Diese Form macht etwa 70 Prozent der Erkrankungen aus.
Die Unabhängigkeit vom Alkoholkonsum gilt auch für den hormonunabhängigen Brustkrebs.
Quelle: Li CI, Chlebowski RT et al. Alcohol consumption and risk of postmenopausal breast cancer by subtype: the Women's Health Initiative observational study. J Natl Cancer Inst 2010; DOI: 10.1093/jnci/djq316.
Von Ursula Goldmann-Posch
Brustkrebszellen sollen künftig mit Ultraschallschwingungen zum Platzen gebracht werden. Dies konnte Prof. Dr. Axel E. Theuer(1) jetzt erfolgreich durch ein onkologisches Medizintechnik-Verfahren beweisen. Die Methode berechnet zunächst die individuellen Hertz-Zahlen von Brusttumorzellen, um sie dann gezielt per Ultraschall für immer unschädlich zu machen.
Für seine weiteren Forschungen an dieser sanften Brustkrebsbehandlungs-Methode stellte jetzt das deutsche Wirtschaftsministeriums Theuer 360 000 Euro zur Verfügung. Ab Dezember 2011 sollen klinische Studien am Heidelberger Krebsforschungszentrum sowie an zertifizierten Brustzentren in München und Ulm mit einem Prototyp des Behandlungsgeräts stattfinden.
Studien laufen derzeit bereits an der Uni Graz. Die Ergebnisse schätzt Prof. Theuer bislang als äußerst erfolgreich ein.
Theuer war bereits vor über 25 Jahren bei seinen Krebsrecherchen auf den japanischen Biochemiker Prof. Mizoguchi Hiromoto gestoßen, der über die Steifigkeit von Krebszellen forschte. Der fand heraus, dass Krebszellen ganz anders „schwingen“ als gesunde Zellen. Theuer forschte weiter und kam zu folgendem Schluss: Die entarteten Krebszellen haben offenbar die Fähigkeit verloren, ihr „Skelett“ aus Eiweißfasern (Zytoskelett genannt) zu organisieren, was gesunden Zellen hingegen regelmäßig gelingt. Tumorzellen – so Theuer - ticken ganz anders und haben ein völlig „verklumptes Skelett“.
Diese Eigenschaft will sich jetzt das Verfahren mit der so genannten Mammakarzinom-Behandlungsglocke der Firma Weber-Ultrasonics zunutze machen. Als das auf Ultraschall spezialisierte Unternehmen von Theuers interessanten Recherchen erfuhr, trugen sie dem gelernten Maschinenbauingenieur an, dieses Gerät in Serie zu erstellen.
Theuer weiß, was Krebs bedeutet. Sein Bruder leidet an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom).
(1) Honorarprofessor an der Universität Graz und Leiter des Steinbeis-Zentrums in Kirchberg/Iller („Cell Dynamics Cancer Research“). Theuer habilitierte an der TU Dresden mit dem medizinischen Thema „Selektive schwingungsreduzierte Zerstörung maligner Zellen“, unterrichtete an der Esslinger Hochschule für Technik und folgte dann dem Ruf an die medizinische Universität Graz.
Die gute Nachricht am Freitag, den 13.: Die Sterberate an Brustkrebs ist in Deutschland von 1989 bis 2006 um 21 Prozent gesunken. Damit liegt die Bundesrepublik nach einer aktuellen Auswertung von WHO-Forschungsdaten jetzt auf Platz 13 der Todesstatistik von insgesamt 30 europäischen Ländern. Durchschnittlich ist die Rate der Todesfälle durch Brustkrebs um 19 Prozent gefallen.Hier die Zahlen im Einzelnen: Zwischen 1987 und 1989 gab es pro 100 000 Frauen noch 31 Brustkrebs-Todesfälle in Deutschland. Zwischen 2004 und 2006 waren hingegen nur noch 26 Brustkrebs-Opfer auf 100 000 Frauen zu verzeichnen. Das entspricht einer jährlichen Verringerung der Brustkrebs-Sterberate um 1,4 Prozent, so die Berechnungen der Forscher um den Epidemiologen Dr. Philippe Autier aus Lyon(1).
Am deutlichsten ist die Brustkrebs-Sterblichkeit mit nahezu 45 Prozent in Island gesunken, gefolgt von England und Wales mit 35 Prozent und Luxemburg mit 34 Prozent. In diesen Ländern war jedoch die Brustkrebs-Sterberate zwischen 1987 und 1989 noch relativ hoch. Sie lag in Island bei 33 Todesfällen pro 100 000 Frauen, in England und Wales bei 42 und in Luxemburg bei 36 pro 100 000 Frauen.
Das traurige Schlusslicht bei der Brustkrebs-Sterblichkeits-Statistik bildete jetzt Rumänien mit einem Anstieg von Brustkrebsopfern um 17 Prozent. Das könnte nach Einschätzung der Autoren daran liegen, dass in ehemaligen kommunistischen Ländern heute die Risiken für Brustkrebs zugenommen haben, etwa durch weniger Schwangerschaften und durch die zunehmende Aufschiebung des Eintritts der ersten Schwangerschaft. Außerdem liege die Qualität der Versorgung bei Brustkrebs unter dem europäischen Durchschnitt, so die Krankheits-Statistiker.
Erfreulich ist, dass die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs besonders stark bei den jungen Frauen unter 50 Jahren zurückging. So wurde in Island eine Verringerung in dieser Altersgruppe um 76 Prozent erreicht, in England und Wales eine Reduktion um 42 Prozent und in Deutschland um 46 Prozent.
Und wie sah es bei der klassischen Diagnosegruppe der „Brustkrebsfrauen“ aus? Bei den 50- bis 69-Jährigen waren es entsprechend nur 35, 40 und 20 Prozent. Die besonders gute Bilanz bei den jüngeren Frauen könnte daran liegen, dass sie gezielter behandelt werden und daher besser auf die Therapien ansprechen, vermuten die Forscher.
Die allgemeine Verringerung der Brustkrebs-Sterberate seit Ende der 1980er-Jahre führen die Autoren unter anderem auf die Einführung des Mammografie-Screenings in vielen Ländern in den 1990er-Jahren und auf die gute Akzeptanz der Reihenuntersuchung bei den Frauen zurück. Außerdem sei der Zugang zu neuen Therapien verbessert worden, und es habe eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten Zentren (etwa zertifizierte Brustzentren) stattgefunden. So werden auch in Deutschland Frauen mit Mammakarzinom zunehmend in solchen Brustzentren behandelt.
Rätsel ergeben sich jedoch nach wie vor bei den führenden Ländern des Kampfs gegen Brustkrebs, Frankreich und Schweden: Gerade dort habe man aufgrund der großen Anstrengungen im Kampf gegen diese häufigste Krebserkrankung von Frauen einen eindrucksvolleren Rückgang der Sterberate erwartet. Die ist jedoch ausgeblieben: In Frankreich ist die Sterberate lediglich um elf Prozent und in Schweden um 16 Prozent gesunken.
(1) Autier P, Boniol M, Lavecchia Cet al. Disparities in breast cancer mortality trends between 30 European countries: retrospective trend analysis of WHO mortality database. British Medical Journal 2010, Aug 11; 341: c3620. doi:10.1136/bmj.c3620.
Von Ursula Goldmann-Posch
Das Antidepressivum Paroxetin, ein so genannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), schwächt die Wirkung von Tamoxifen in der antihormonellen Behandlung von Brustkrebs ab. Frauen, die beide Medikamente einnehmen, sterben häufiger an Brustkrebs als Patientinnen, die nur eines von beiden einnehmen. Das zeigte jetzt eine große Studie von Catherine Kelly und Mitarbeitern vom Institute for Clinical Evaluative Sciences (ICES) in Toronto (s. Literaturhinweis).
Ursache dieser Wechselwirkung ist die Tatsache, dass beide Wirkstoffe in der Leber verarbeitet werden. Die Leber ist Sitz einer besonderen „Verstoffwechselungs-Zentrale“, dem P450-System, das für die Entgiftung von Schad- oder Fremdstoffen zuständig ist. Dafür bedient sich P450 zahlreicher, von Genen gesteuerter Leberenzyme, darunter auch eines Enzyms namens CYP2D6. Dessen Spezialität ist die Verstoffwechselung von Medikamenten, etwa auch von Tamoxifen. CYP2D6 ist es auch, das Tamoxifen überhaupt erst in das verwandelt, was für die antihormonelle Behandlung für Frauen mit Brustkrebs wirksam ist: in sein Stoffwechselprodukt Endoxifen.
So weit, so gut: wenn da nicht der pharmakologische Gegenspieler des Enzyms CYP2D6 wäre, nämlich das antidepressiv wirkende Medikament Paroxetin. Dieses und andere Medikamente aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer stören und hemmen CYP2D6 bei seiner Verstoffwechselungsarbeit. Kein Wunder, dass die Aktivierung von Tamoxifen in sein Stoffwechselprodukt Endoxifen nicht oder nur mangelhaft einsetzen kann.
Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, haben die kanadischen Wissenschaftler die Krankheitsakten von 2430 Frauen im Alter über 65 Jahren aus Ontario ausgewertet, die in der Zeit von 1993 bis 2005 antihormonell mit Tamoxifen behandelt wurden. Rund 30 Prozent von ihnen bekamen gleichzeitig von ihren Ärzten ein Antidepressivum gegen depressive Verstimmungen verschrieben, am häufigsten den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Paroxetin. Je länger die Frauen Paroxetin einnahmen, desto mehr von ihnen starben an ihrem Brustkrebs.
Für die übrigen Antidepressiva (die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin, Sertralin, Fluvoxamin, Citalopram und den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin) wurde keine erhöhte Sterblichkeit gefunden. In seinem Vorwort zur Veröffentlichung der Studie (BMJ 2010; 340: c783) erweiterte Stefan Willich, Leiter des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Berliner Charité, die Warnung jedoch auch für den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin. Denn dieser Wirkstoff stehe ebenfalls im Verdacht, die Entfaltung von Tamoxifen durch das Leberenzym CYP2D6 zu behindern.
Literaturhinweis: Kelly MC, Juurlink DN et al: Selective serotonin reuptake inhibitors and breast cancer mortality in women receiving tamoxifen: a population based cohort study. BMJ 2010; 340: c693. doi: 10.1136/bmj.c693.
Jahrelang waren sich die Forscher uneinig, ob Sojaprodukte wie Tofu, Sojamilch und Sojabohnen von Brustkrebs-Patientinnen ohne Bedenken gegessen werden können oder nicht, weil Sojaprodukte pflanzliche Östrogene, die sogenannten Isoflavone, enthalten. Die östrogenähnlichen Effekte dieser Pflanzenstoffe standen in Verdacht, das Wachstum von Brustkrebszellen genauso anzuheizen wie dies beim Hormon Östrogen der Fall ist.
Jetzt gibt eine große Studie mit 5042 Brustkrebs-Patientinnen des Shanghai Institute of Preventive Medicine und der Vanderbilt University, Nashville, grünes Licht für den Sojakonsum von Frauen mit Brustkrebs: Der reichliche Verzehr von Soja senkte in der Studie – zumindest in den ersten vier Jahren – die Rückfallgefahr um fast ein Drittel (32%), und die Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu sterben, um 29 Prozent. Der schützende Effekt von Soja – so berichten die Wissenschaftler im angesehenen Fachjournal JAMA (Journal of the American Medical Association) – zeigte sich unabhängig vom Hormonstatus des Brusttumors und der Einnahme des Medikaments Tamoxifen.
Daraus schließen die Mediziner der Vanderbilt-Universität vorsichtig, dass zumindest mäßiger Sojakonsum sicher und vielleicht sogar wohltuend für Brustkrebs-Patientinnen sei. Ob dies auch für sojahaltige Nahrungsergänzungen gelte, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Literaturhinweis: Shu XO, Zheng Y, et al.: Soy food intake and breast cancer survival. JAMA.2009; 302 (22): 2437–43.
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