Tumoren entwickeln unterschiedliche Methoden, um ihre Gefäßversorgung zu sichern. Bisher bekannt war der Mechanismus des so genannten Gefäßwachstums-Faktors (VEGF-Mechanismus). Dabei senden Krebszellen Botenstoffe aus, die immer wieder neue Gefäße in den Tumor einwachsen lassen. Mit Wirkstoffen wie dem Antikörper Bevacizumab können die Gefäßneubildung verhindert und das Krebswachstum blockiert werden. Allerdings erweisen sich diese Medikamente nicht in allen Fällen als „perfekt“, weil Krebsgeschwülste in ihrem Überlebenswillen anscheinend noch andere Wege kennen, um sich mit Blut zu versorgen.
Diese Vermutung konnten österreichische und ungarische Forscher nun erhärten. Sie fanden im Tierexperiment heraus, dass Tumoren die Gefäßversorgung auch durch eine spezielle Art der Gefäßteilung aufrechterhalten können.
Das Forscherteam unter Leitung von Dr. Balázs Döme von der Medizinischen Universitätsklinik Wien und Dr. Sándor Paku von der Semmelweiß Universität Budapest konnte nachweisen, dass die Gefäßteilung (intussus-ceptive Angiogenese) bei der Versorgung mit Blutgefäßen entscheidende Bedeutung hat. Behandelte man Mäuse im Laborexperiment mit dem Angiogenese-Hemmer Vatalinib und hemmte so den VEGF-Mechanismus zur Gefäßneubildung, schalten die Tumoren auf „Plan B“ der Gefäßteilung um. Die Wiener Forschungsgruppe bezeichnet diese Abläufe als „inverses Aussprießen“ von Gefäßen.
Die Bilanz, die die Wissenschaftler aus ihren Experimenten ziehen und jetzt im renommierten „American Journal of Pathology“ veröffentlichten, lautet: Die Behandlungsstrategien, die auf die Hemmung der Gefäßneubildung (Anti-Angiogenese) abzielen, müssen künftig noch individueller angepasst werden. Sie sollten sich, so Balázs Döme, nach dem „speziellen Typ der Gefäßneubildung ausrichten, der in einem Tumor jeweils maßgeblich ist.“ Nach Ansicht der österreichisch-ungarischen Forschergruppe ergibt sich hieraus eine neue und viel versprechende Behandlungsmöglichkeit. Allerdings müssen wirksame Medikamente, mit deren Hilfe sich der zweite Mechanismus zur Gefäßneubildung blockieren lässt, erst noch entwickelt werden.
Quelle: Paku S, Dezso K, Bugyik E, Tóvári J, Tímár J, Nagy P, Laszlo V, Klepetko W, Döme B. A new mechanism for pillar formation during tumor-induced intussusceptive angiogenesis inverse sprouting. Am J Pathol 2011; 179(3): 1573–85. DOI: 10.1016/j.ajpath.2011.05.033.


