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Gesamtübersicht

Psychosoziale Prädiktoren der Gewichtsentwicklung bei Patienten mit schwerer Adipositas, die Voraussetzungen für eine bariatrische Operation nicht erfüllen

Zeitschrift: Adipositas – Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie
ISSN: 1865-1739
Thema:

Psychische Aspekte bei Adipositas

Ausgabe: 2017 (Vol. 11): Heft 4 2017
Seiten: 208-213

Psychosoziale Prädiktoren der Gewichtsentwicklung bei Patienten mit schwerer Adipositas, die Voraussetzungen für eine bariatrische Operation nicht erfüllen

A. Oberberger (1), F. Junne (1), J. Krüger (2), J. Lange (3), I. Mack (1), A. Nieß (4), S. Zipfel (1), M. Teufel (1, 2)

(1) Medizinische Klinik, Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland; (2) Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universität Duisburg-Essen, LVR-Klinikum, Essen, Deutschland; (3) Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland; (4) Medizinische Klinik, Abteilung Sportmedizin, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland

Zusammenfassung

Interdisziplinäre Adipositasprogramme an spezialisierten Zentren umfassen idealerweise konservative und operative Herangehensweisen. Konservative Therapieempfehlungen werden dem Patientenwunsch nach rapider Gewichtsreduktion oftmals nicht gerecht und führen zu Enttäuschungen. Hohe Abbruchquoten und Nichtwahrnehmen konservativer Empfehlungen sind die Konsequenz. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Langzeitverlauf bei Patienten zu untersuchen, die bei fehlender Indikation für eine Adipositaschirurgie eine konservative Therapieempfehlung oder keine Therapieempfehlung (vorzeitiger Abbruch des Diagnostikpfades) erhalten haben. Psychosoziale Prädiktoren für den Gewichtsverlauf sollten abgeleitet werden. Dafür wurden 84 Patienten (Gewicht 113,2 ± 22,5 kg, BMI 39,2 ± 7,2 kg/m², 74% Frauen) des interdisziplinären Adipositaszentrums des Universitätsklinikums Tübingen fünf Jahre nach Erstvorstellung mittels Fragebögen nachuntersucht. Es zeigte sich ein signifikanter durchschnittlicher Gewichtsverlust von –3,7 ± 12,8 kg und ein BMI-Verlust von –1,5 ± 4,6 kg/m². Darüber hinaus waren sowohl Depressivität als auch Stresserleben gegenüber der Erstvorstellung signifikant zurückgegangen. Als psychosoziale Prädiktoren für den langfristigen Gewichtsverlauf konnten eine längere Dauer des Katamnesezeitraums, höhere Vitalität und Impulsivität (Vorhersage eines ungünstigen Gewichtsverlaufs) und ein negatives Körperbild (Vorhersage eines günstigen Gewichtsverlaufs) identifiziert werden. Versorgungsperspektivisch ist eine regelmäßige, langfristige Nachsorge von nicht-operierten Patienten mit Adipositas in das Therapiekonzept zu integrieren, um diese nicht aus dem Versorgungssystem zu verlieren. Psychosomatische Prädiktoren des Gewichtsverlaufs sollten dabei explizit adressiert und in Motivationsstrategien einbezogen werden.