Anzeige

Barrieredefekt bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Zeitschrift:Die Medizinische Welt – aus der Wissenschaft in die Praxis
ISSN:0025-8512
Ausgabe:2010 (Vol. 61): Heft 4 2010
Seiten:225-230

Barrieredefekt bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Worin liegt die Ursache? Was bringt die Zukunft?

M. Gersemann (1), J. Wehkamp (1), E. F. Stange (1)
(1) Robert-Bosch-Krankenhaus, Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie

Zusammenfassung

Die Pathomechanismen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind bisher nur teilweise verstanden und weiterhin Gegenstand der Forschung. Allgemein anerkannt ist die Bedeutung der mikrobiellen Flora in der Entwicklung des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa. In den vergangenen Jahren wechselte das Hauptaugenmerk zunehmend von der erworbenen zur angeborenen Immunität. Der Morbus Crohn des Dünndarms ist durch eine verminderte Sekretion der Panethzell-Defensine HD5 und HD6 gekennzeichnet. Dieser Defekt der antimikrobiellen Abwehr ist über eine verminderte Expression des WNT Transkriptionsfaktors TCF4 mit einer gestörten Panethzell-Differenzierung assoziiert. Der Morbus Crohn des Dickdarms weist eine verminderte Induzierbarkeit der β-Defensine HBD2 und HBD3, sowie der defensinähnlichen Peptide Elafin, SLPI und LL37, auf. Bei der Colitis ulcerosa ist im Gegensatz zu gesunden Individuen die schützende Schleimschicht, die eine physikalische und biochemische Barriere zwischen dem Epithel des Darms und den luminalen Mikroorganismen darstellt, biochemisch verändert, dünner und teilweise sogar komplett fehlend. Ursache hierfür könnte eine defekte Becherzell-Differenzierung sein. Dies führt zu unreifen Becherzellen, die nicht fähig sind eine stabile Mukusschicht auszubilden. Der Barrieredefekt zwischen der Mukosa und den intraluminalen Mikroorganismen in allen drei Entitäten der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn des Dünndarms, Morbus Crohn des Dickdarms, Colitis ulcerosa) ermöglicht es den luminalen Mikroben, die Mukosa zu penetrieren und eine Entzündung auszulösen. Diese Beobachtungen könnten die derzeitige Standardtherapie, die auf eine Unterdrückung der sekundären Entzündung abzielt, durch neue Therapiestrategien ersetzen, die auf einer Stimulation der schützenden angeborenen Immunität basieren.

Stichworte

Pathogenese, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Defensine, Mukus

Artikel, die Sie auch interessant finden könnten...

1.

B. Habermeyer, F. Müller-Spahn

Die Psychiatrie 2008 5 2: 76-82

2.

G. Rogler 1, R. Duchmann 2

Die Medizinische Welt 2005 56 7: 307-

3.

J. Henker

Die Medizinische Welt 2003 54 12: 355-



Artikel

Sie haben 95 Artikel in ihrem Warenkorb.