Gen- und Zelltherapie des Diabetes mellitus
M. Tiedge
Institut für Klinische Biochemie, Medizinische Hochschule Hannover
Zusammenfassung
Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, diedurch eine nahezu vollständige Zerstörung der Betazellendes Pankreas gekennzeichnet ist. Die Inseltransplantationhat gezeigt, dass durch eine Zelltherapie mitPankreasinseln die diabetische Stoffwechsellage korrigiertwerden kann. Um den Mangel an Spenderorganenzu überwinden, wurden neben der Xenotransplantationvon Schweineinseln in den vergangenen Jahren neueStrategien verfolgt, aus Stammzellen und nichtendokrinenZellen insulinproduzierende Ersatzzellen zu generieren.Pluripotente embryonale Stammzellen lassen sich unterspezifischen Zellkulturbedingungen zu insulinproduzierendenZellen differenzieren. Eine solche Differenzierunggelingt auch mit adulten Stammzellen der Pankreasgänge,die sich in Abhängigkeit von Wachstumsfaktorenund Matrixfaktoren zu insulinproduzierenden Zellenentwickeln. Die Stammzelltechnologie hat den Beweiserbringen können, dass aus pluripotenten Zellen insulinproduzierendeZellen gebildet werden können.Eine alternative Strategie verfolgt die Expression vonInsulin in nichtendokrinen Geweben (Leber, Muskulatur).Der Vorteil der Insulinexpression in nichtendokrinenGeweben liegt darin, dass keine Immunsuppression erforderlichist und keine Autoimmunattacken im diabetischenPatienten befürchtet werden müssen. Sowohl die Stammzelldifferenzierung als auch die Insulinexpressionin nichtendokrinen Geweben befinden sichbislang im experimentellen Stadium. Die Fortschritte dervergangenen Jahre zeigen jedoch klar, dass perspektivischeine Übertragung dieser Technologien in die klinischeAnwendung der Zelltherapie des Typ-1-Diabetesmöglich erscheint. Stichworte
Diabetes mellitus, Stammzellen, virale Vektoren, Insulin