Dissoziative Störungen, Dissoziation und Konversion aus psychiatrischer Sicht
C. Spitzer, H. J. Freyberger
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald im Hanse-Klinikum Stralsund (Direktor: Prof. Dr. H. J. Freyberger)
Zusammenfassung
Die Modelle der Dissoziation und Konversion entstanden während der ersten wissenschaftlichenAuseinandersetzungen mit der Hysterie. Nur vor diesem Hintergrund sind die aktuellenKontroversen um die Stellung der pseudoneurologischen Konversionsstörungen zu verstehen,die sich wesentlich auf die Frage konzentrieren, ob sie als dissoziative (wie in derICD-10) oder unter den somatoformen Störungen (wie im DSM-IV) zu klassifizieren sind. Wirnähern uns dieser Problematik, indem wir jüngste Ausdifferenzierungen des Dissoziationskonstruktesvorstellen: pathologische versus nicht-pathologische Dissoziation sowie „compartmentalization“und „detachment“. Trotz ihres heuristischen Wertes sind diese Konzeptenicht ungebrochen auf die Konversionsstörungen anwendbar. Aus einer klinischen Perspektiveerscheint die Zuordnung zu den somatoformen Störungen unter dem Primat der Phänomenologiesinnvoll. Hingegen besteht eine große Ähnlichkeit mit dissoziativen Störungenbezüglich des Ausmaßes dissoziativer Psychopathologie, Traumatisierungen und Komorbiditätsmustern;auch unter therapeutischen Aspekten ist die Betonung der dissoziativen Symptomatikbei Patienten mit Konversionsstörung hoch relevant. Stichworte
Dissoziation, dissoziative Störungen, Hysterie, Konversion