Die Rolle der Interaktion zwischen Glykoprotein Ibα und von-Willebrand-Faktor bei der Entwicklung des Schlaganfalls
G. Stoll (1), C. Kleinschnitz (1), B. Nieswandt (2, 3)
(1) Department of Neurology, University of Würzburg, Germany; (2) Chair of Experimental Biomedicine, University of Würzburg, Germany; (3) Rudolf Virchow Center, DFG Research Center for Experimental Biomedicine, University of Würzburg, Germany
Zusammenfassung
Der ischämische Schlaganfall ist eine häufige Erkrankung mit begrenzten Therapieoptionen, dessen Pathophysiologie noch weitgehend unverstanden ist. Neueste Untersuchungen belegen die besondere Bedeutung von Glykoprotein(GP) Ibα und von-Willebrand-Faktor (VWF) in der Entstehung von ischämischen Hirnläsionen. Die Blockade von GPIbα führte bei Mäusen zu einer Reduktion des Infarktvolumens nach transientem Verschluss der Arteria cerebri media (tMCAO-Modell). VWF unterliegt unter hohen arteriellen Flussgeschwindigkeiten einer Konformationsänderung, die Voraussetzung für die Bindung an Kollagen und an GPIbα auf Thrombozyten ist. VWF-defiziente Mäuse waren ebenfalls vor Schlaganfällen geschützt, nach Gentransfer von VWF mit partieller Rekonstitution des Plasmaspiegels ging dieser Schutz wieder verloren. Freigesetzter VWF wird im Blut durch das Enzym ADAMTS 13 gespalten, um eine unkontrollierte Thrombenbildung zu verhindern. Entsprechend entwickelten sich bei ADAMTS13-defizienten Mäusen größere Infarkte. GPIbα/VWF-Interaktionen und nachgeschaltete Signalkaskaden über Phospholipase D1 (PLD1) stellen viel versprechende Targets zur Prävention und Behandlung des ischämischen Schlaganfalls dar. Stichworte
Schlaganfall, Thrombusbildung, Von-Willebrand-Faktor