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Therapie mit Dabigatran

Zeitschrift: Hämostaseologie
ISSN: 0720-9355
Thema:

56. GTH-Jahrestagung 2012, St. Gallen

DOI: http://dx.doi.org/10.5482/ha-2012030004
Ausgabe: Hefte von 2012 (Vol. 32): Heft 4 2012 (243-318)
Seiten: 294-305

Therapie mit Dabigatran

Periinterventionelles Management und Interpretation von Gerinnungstests

M. Spannagl (1), R. Bauersachs (2), E. S. Debus (3), M. Gawaz (4), H. Gerlach (5), S. Haas (6), V. Hach-Wunderle (7), E. Lindhoff-Last (8), H. Riess (9), S. Schellong (10), H. Schinzel (11), C. Bode (12)

(1) Haemostaseologie – Campus Innenstadt, Klinikum der Universität München; (2) Max-Ratschow-Klinik, Medizinische Klinik IV, Darmstadt; (3) Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin, Universitäres Herzzentrum Hamburg; (4) Medizinische Klinik III, Kardiologie und Kreislauferkrankungen, Universitätsklinikum Tübingen; (5) Berufsverband der Phlebologen e. V. Mannheim; (6) Institut für experimentelle Onkologie und Therapieforschung, Technische Universität München; (7) Venenzentrum Frankfurt am Main; (8) Gefäßzentrum, Johann-Wolfgang-Goethe-Universitätsklinik, Frankfurt am Main; (9) Medizinische Klinik und Poliklinik mit Hämatologie/Onkologie, Campus Virchow Klinikum, Charité Universitätsmedizin Berlin; (10) II. Medizinische Klinik, Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt; (11) Klinikum der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz; (12) Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen, Kardiologie I, Freiburg

Stichworte

Thromboseprophylaxe, Vorhofflimmern, aPTT, Dabigatranetexilat, Dabigatran, periinterventionelles Management, Schlaganfallprophylaxe, aktivierte Thromboplastin-Zeit, Ecarin Clotting Time, ECT, Thrombinzeit, TT, verdünnte Thrombin-Zeit, Hemoclot®

Zusammenfassung

Dabigatran, ein direkter und reversibel bindender Faktor-IIa-Hemmer, ist in Europa zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern und zur primären Thromboseprophylaxe nach elektivem Hüft- und Kniegelenkersatz zugelassen. Im Gegensatz zu Vitamin-K-Antagonisten ist eine routinemäßige Kontrolle der gerinnungshemmenden Wirkung von Dabigatran nicht notwendig. Eine Abschätzung der antikoagulatorischen Wirkung von Dabigatran könnte für den klinisch tätigen Arzt in spezifischen Situationen wie vor Notfalloperationen oder schweren Blutungen wichtig sein und kann durch die aktivierte partielle Thromboplastinzeit, Ecarin Clotting Time oder Thrombinzeit durchgeführt werden. Der spezifisch für Dabigatran kalibrierte verdünnte Thrombinzeit Test (Hemoclot®) kann für quantitative Aussagen zu Plasmakonzentrationen eingesetzt werden. Zur Normalisierung des Blutungsrisikos vor elektiven Eingriffen bei Patienten mit normaler Nierenfunktion reicht in der Regel ein Absetzen von Dabigatranetexilat 24 Stunden vor dem Eingriff aus. Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bei einem Eingriff mit erhöhtem Blutungsrisiko verlängern sich die empfohlenen Absetzfristen dementsprechend. Beim Auftreten von Blutungen während einer Therapie mit Dabigatran richtet sich die weiterführende Behandlung nach dem Schweregrad und Lokalisation der Blutung. Eine Besonderheit besteht darin, dass Dabigatran mittels Dialyse aus dem Kreislaufsystem relativ rasch entfernt werden kann. Empfehlungen: Bei aus klinischer Sicht leichten Blutungen ist eine kurzfristige Verschiebung der Substanzeinnahme anzuraten. Der Zeitraum basiert hier auf dem individuellen Thromboserisiko des Patienten. Die Gabe von Faktorenkonzentraten ist bei leichten Blutungen nicht indiziert. Bei mittelschweren bis schweren Blutungen sollte nach Absetzen von Dabigatran insbesondere auf die Stabilisierung der Herz- und Kreislauffunktion durch Volumenersatz und Blutprodukte sowie auf die (lokale) Behandlung des Blutungsherdes geachtet werden. Falls die Option besteht, kann Dabigatran mittels Haemofiltration oder Dialyse schnell und effektiv aus dem Kreislaufsystem entfernt werden. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Blutungen wird ein spezielles Hämostasemanagement erforderlich. Je nach Lokalisation der Blutung sollte nebst der hämodynamischen Stabilisierung des Kreislaufes der Einsatz von Faktorenkonzentraten in dieser Situation zeitnah erfolgen. Wichtig ist hierbei, dass die Standard- Laborparameter den Effekt der Faktorenkonzentrate nicht akkurat wiedergeben. Daher sollte der Effekt klinisch anhand der einsetzenden Blutgerinnung beurteilt werden.

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