Perioperative Gerinnungsstörungen, perioperatives Gerinnungsmanagement
W. Korte
Institut für Klinische Chemie und Hämatologie, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz
Zusammenfassung
Das Management von Problemen der perioperativen Hämostase fängt mit der Anamnese an. Klassische Globaltests (Quick-Test, aPTT) haben keinen prädiktiven Wert hinsichtlich einer erworbenen intra- oder postoperativen Blutungsneigung, neue Assays zur Risikostratifizierung sind in klinischer Entwicklung. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal eines guten perioperativen Hämostasemangements ist die frühzeitige interdisziplinäre Beurteilung. Bei Antikoagulation bzw. antithrombozytärer Therapie ist das perioperative Bridging sorgfältig zu planen. Kardiovaskuläre Risikopatienten haben bei Absetzen der antithrombozytären Therapie ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Bei bekannter hämorrhagischer Diathese sollte früh präoperativ eine spezifische Therapie festgelegt werden. Bei intra- und postoperativer Blutungsneigung kann die Point-of-care-Diagnostik zur raschen Beurteilung der Pathologie hilfreich sein. Ein validiertes algorithmisches Vorgehen reduziert den Verbrauch von Blutprodukten. Die Festlegung eines evidenzbasierten Einsatzes von Blutkomponenten und anderer prokoagulanter Substanzen intraoperativ bedarf prospektiver klinischer Studien. Erkenntnisse zur Pathophysiologie (z. B. Quervernetzungsdefekte durch Kolloide, Dilution durch Volumentherapie und bei wiederholtem Einsatz von FFP, Verwendung von Antifibrinolytika, Häufigkeit unerwünschter Wirkungen) sollten berücksichtigt werden. Stichworte
Thrombozyten, Hämostase, Dilutionskoagulopathie, Blutung, Operation, Verbrauch, Gerinnungsfaktoren