Thrombophilie und Schwangerschaft
I. Pabinger
Clinical Division of Haematology and Haemostaseology, Department of Internal Medicine I, Medical University of Vienna, Austria
Zusammenfassung
In den vergangenen Jahren hat die Thrombophilie als Risikofaktor für Schwangerschaftskomplikationen große Beachtung gefunden. Während der Zusammenhang mit Antiphospholipid- Antikörpern und Aborten als gesichert gilt, ist dies für andere Thromboserisikofaktoren noch in Diskussion. Daten über Antithrombinmangel, Hyperhomocystein - ämie, Faktor-V-Leiden-Mutation und Prothrombin- G20210A.Variation sowie Protein-S-Mangel in Zusammenhang mit Aborten liegen vor, die Assoziation mit der Präeklampsie wird diskutiert. Eine limitierte Anzahl von prospektiven Studien konnte das erhöhte Risiko zwischen Thrombophilie und Schwangerschaftskomplikationen nicht schlüssig nachweisen. Eine einzige randomisierte Interventionsstudie mit niedermolekularem Heparin bei Spätaborten ergab ein sehr positives Ergebnis hinsichtlich der Verabreichung von Enoxaparin. Daten über Schwangerschaftskomplikationen bei Frauen mit bereits bekannter Thrombophilie oder einer Vorgeschichte von Thrombosen sind ebenfalls nicht übereinstimmend hinsichtlich des Risikos für Aborte und Präeklampsie. Bei diesen Frauen ist jedoch im Allgemeinen mit einem positiven Schwangerschaftsergebnis zu rechnen. Schlussfolgerung: Primäres Thrombophilie- Screening bei Schwangeren ist zurzeit nicht indiziert. Die Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin bei rezidivierenden Spätaborten (nach der 10. Schwangerschaftswoche) und vorhandener Thrombophilie soll in Erwägung gezogen werden. Weitere prospektive oder Interventionsstudien sind dringend notwendig. Stichworte
Thrombophilie, Schwangerschaft, Präeklampsie, Fehlgeburt, Totgeburt