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Gesamtübersicht

Neue Entwicklungen in der Behandlung der Migräne

Zeitschrift:Nervenheilkunde
ISSN:0722-1541
Ausgabe:2011: Heft 12 2011 (949-1032)
Seiten:972-976

Neue Entwicklungen in der Behandlung der Migräne

M. Keidel (1)

(1) Klinik für Neurologie, Bezirkskrankenhaus Bayreuth

Zusammenfassung

Die Substanzklasse der Triptane ist bei fehlenden Neuentwicklungen nicht erweitert worden. Es liegen jedoch neue Applikationsformen vor. In Deutschland ist ein nadelfreier Injektor zur subkutanen Sumatriptanapplikation zugelassen. In den Vereinigten Staaten befindet sich eine transdermale Applikationsform des Sumatriptans mittels Pflaster in dem Zulassungsverfahren. Erprobt werden fixe Kombinationen eines Triptans mit einem nicht steroidalen Antiphlogistikum in einer Tablette, insbesondere zur Reduktion der Wahrscheinlichkeit eines Migräne-Wiederkehrkopfschmerzes, z. B. Rizatriptan mit Paracetamol oder Koffein. Als Mischpräparat ist Sumatriptan mit Naproxen in den USA zugelassen. Als Substanzen ohne direkte vasokonstriktorische Nebenwirkung werden in klinischen Studien Serotonin-5-HT-1F-Rezeptoragonisten und Calcitonin gene-related peptide (CGRP) Rezeptorantagonisten untersucht. Von einer zeitnahen Zulassungs- und klinischen Anwendungsreife der CGRP-Antagonisten ist nicht auszugehen. Eine mögliche Renaissance ergibt sich für Dihydroergotamin nach oraler Inhalation, da die pulmonale Absorption nebenwirkungsärmer als die gastroenterale oder i.m.-Gabe ist. Zur Durchbrechung schwerer Migräneattacken ist die i.v.-Gabe von Valproat der i.v.-Gabe von ASS bezüglich der Wirksamkeit vergleichbar. Therapeutische Ansätze zur Durchbrechung der Migräneaura über eine Inhibition der kortikalen spreading depression mittels transkranieller Magnetstimulation, Gleichstromstimulation oder Verabreichung eines Gap-Junktion-Modulators werden in Tierversuchen als auch klinischen Studien verfolgt. Genetische Assoziationsstudien weisen auf eine besondere Rolle von Glutamat in der Auraentstehung hin. Zur Prävention der Migränechronifizierung einer episodischen Migräne sollten Komorbiditäten anamnestiziert und mitbehandelt werden. Eine Kombinationsbehandlung von Topiramat mit Propranolol ist in der Behandlung der chronischen Migräne der alleinigen Gabe von Topiramat nicht überlegen. Amitriptylin ist bei chronischer Migräne wirksam; Levetiracetam ist nicht wirksam. Bei medikamentöser Therapierefraktärität der chronischen Migräne kann die lokale i.m.-Infiltration mit Botulinumtoxin Typ A in spezifische Kopf-/Nackenmuskelbereiche eine zugelassene Therapieoption darstellen. Die Anwendung eines invasiven neuromodulatorischen Verfahrens mit bilateraler N. occipitalis major Stimulation sollte bei sehr strenger Indikationsstellung unter konsequenter Beachtung sämtlicher Ausschlusskriterien lediglich spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben.

Stichworte

Therapie, Komorbidität, Migräneattacke, Chronische Migräne, Aura

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