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Psychologische Suchttheorien als Erklärungsansätze

Zeitschrift: Nervenheilkunde
ISSN: 0722-1541
Thema:

Werden sich Patienten in Zukunft selbst therapieren?

Ausgabe: 2017: Heft 6 2017 (407-494)
Seiten: 439-456

Psychologische Suchttheorien als Erklärungsansätze

H. Küfner (1), M. Soyka (2)

(1) Institut für Therapieforschung, IFT München; (2) Medical Park Chiemseeblick,Bernau

Stichworte

Sucht, Substanzkonsum, Suchttheorie, Suchtentwicklung

Zusammenfassung

Ziel: Die systematische Darstellung psychologischer Suchttheorien zur Erklärung charakteristischer Suchtphänomene. Methode: Eine Literaturrecherche in PUBMED ergänzt durch deutsche Literatur. Die Darstellung von Suchttheorien erfolgt in Bezug auf grundlegende Komponenten und Erklärungsprinzipien des Verhaltens für charakteristische Suchtphänomene. Ergebnisse: Notwendige Komponenten für die Darstellung von Suchttheorien sind ein Belohnungs- und Kontrollsystem sowie ein Motivations- und Handlungssystem. Eine lerntheoretische kognitive Sichtweise erklärt die verstärkende Wirkung des Substanzkonsums mit der Entwicklung von impliziten und expliziten Erwartungen im Gesamtkontext mit natürlichen Verstärkern. Die positive Wirkung von Substanzen zur Steigerung von Geselligkeit, Freude und Lust oder Leistungsfähigkeit wird zunehmend ersetzt durch eine negative Verstärkung als Unterbrechung oder Abschwächung unangenehmer Situationen und Gefühle. Die Myopie-Hypothese erleichtert den Zugang zum Suchtverhalten. Ein Stresskonzept kann mittels negativer Verstärkung die Rolle von Stresssituationen für Rückfälle erklären. Bestimmte Persönlichkeitsfaktoren sowie traumatische Erfahrungen erschweren die Kontrolle über Kognitionen und Affekte und tragen zu Stresssituationen bei. Folgerungen: Nur eine Integration verschiedener Theorieansätze kann die Vielfalt von Suchtphänomene ausreichend erklären. Zwischen neurobiologischen und psychologischen Suchttheorien ergibt sich eine zunehmende Übereinstimmung hinsichtlich eines Belohnungs- und Kontrollsystems. Die Funktion von Flow-Zuständen für die Sucht bedarf weiterer Klärung.

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