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Psychopharmakotherapie und metabolische Nebenwirkungen

Zeitschrift: Nervenheilkunde
ISSN: 0722-1541
Thema:

Aktuelles aus Klinik und Praxis aus dem Universitätsklinikum Ulm

Ausgabe: 2017: Heft 9 2017 (683-782)
Seiten: 703-713

Psychopharmakotherapie und metabolische Nebenwirkungen

R Zeiss, B. J. Connemann, M. Gahr

Stichworte

Antidepressiva, Antipsychotika, Psychopharmaka, Gewichtszunahme, metabolische Nebenwirkungen, Phasenprophylaktika

Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel: Metabolische unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) unter Psychopharmakotherapie besitzen in Hinblick auf Morbidität, Mortalität und Therapieadhärenz eine erhebliche klinische Relevanz. Die vorliegende Übersichtsarbeit gibt einen Überblick über epidemiologische Aspekte, prädiktive Faktoren, die Pathophysiologie sowie über Monitoring und mögliche therapeutische Ansätze hinsichtlich metabolischer Nebenwirkungen von Psychopharmaka. Zudem wird das Risiko für metabolische UAW von häufig verordneten Substanzen anhand von Informationen aus Fachinformationen dargestellt. Material und Methoden: Es wurde eine narrative Übersichtsarbeit erstellt. Die Literaturrecherche wurde in der bibliografischen Datenbank MEDLINE durchgeführt. Ergebnisse: Die Pathomechanismen, die psychopharmakotherapieassoziierten metabolischen UAW zugrunde liegen, sind unvollständig verstanden; genetische Faktoren und die Modulation zahlreicher Neurotransmittersystem (insbesondere das histaminerge und dopaminerge System) scheinen relevant zu sein. Vor allem Antipsychotika, Antidepressiva und Phasenprophylaktika sind mit einem Risiko für metabolische Nebenwirkungen assoziiert, wobei innerhalb der Indikationsgruppen Unterschiede zwischen einzelnen Substanzen hinsichtlich des Risikos für metabolische UAW bestehen. Gegenwärtig gibt es nur bei antipsychotikaassoziierten metabolischen UAW Evidenz für die Wirksamkeit und Verträglichkeit pharmakologischer und/oder nicht pharmakologischer Behandlungsoptionen. Hinsichtlich der therapeutischen Ansätze stehen sowohl nicht pharmakologische Interventionen (Verhaltensänderungen und diätetische Maßnahmen) als auch medikamentöse Ansätze (Metformin zur Behandlung von antipsychotikaassoziierter Gewichtszunahme oder Wechsel zu einem Präparat mit geringerem Risiko für metabolische UAW) zur Verfügung. Schlussfolgerungen: Metabolische UAW haben erhebliche klinische Relevanz. Bei Verordnung eines Präparates, das mit dem Risiko metabolischer Nebenwirkungen verbunden ist, sollte stets eine ausführliche Aufklärung und adäquates Monitoring erfolgen

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