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Soteria am Klinikum München-Ost

Zeitschrift: Nervenheilkunde
ISSN: 0722-1541
Thema:

Soteria – Psychosebegleitung und Milieutherapie - – brauchen wir das
heute noch?

Ausgabe: 2017: Heft 11 2017 (863 - 938)
Seiten: 907-913

Soteria am Klinikum München-Ost

Ergebnisse aus der Begleitforschung

R. Hurtz (1), P. Brieger (1)

(1) kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost

Stichworte

Behandlung, psychotische Störung, Gemeindepsychiatrie

Zusammenfassung

Soteria beinhaltet ein milieu- und psychotherapeutisches Konzept, in dem Menschen in akuten Psychosen in Form aktiven Dabei-Seins bei einem deutlich zurückhaltenden Umgang mit neuroleptischer Medikation durch ihre Krise begleitet werden. Bisher ist kaum erforscht, wie das spezifische Soteria-Milieu wirkt und was genau in der Behandlung wirksam ist. Am Klinikum München-Ost besteht seit 2003 eine Soteria. Um die geleistete Arbeit, deren Qualität und die Behandlungsergebnisse transparent zu machen, wurde von 2003 bis 2012 eine Begleitforschung bei 405 Patienten mit 601 Krankheitsepisoden durchgeführt. Erhoben wurden patientenbezogene Daten zur Soziodemografie, Erkrankung und Behandlung, subjektive Sichtweisen der Patienten sowie eine Katamnese über insgesamt fünf Jahre. Soteria hat sich vor allem für jüngere Patienten mit schizophrenen und schizoaffektiven Störungen bewährt. Aus Sicht der Patienten wurde der Soteria-Ansatz mehrheitlich als hilfreich angesehen. Ein Großteil der behandelten Patienten konnte leitliniengerecht mit einer niedrig- bis moderat-dosierten neuroleptischen Monotherapie entlassen werden, teilweise auch ohne Medikation. In der Katamnesegruppe blieben die stationären Wiederaufnahmeraten niedrig. Im Katamnesezeitraum über zwei Jahre bestand bei der Mehrheit der Patienten eine ambulante psychiatrische und/oder psychotherapeutische Behandlung sowie eine regelmäßige Medikationseinnahme. Soteria ermöglicht mit milieutherapeutischem und individuellem Behandlungsansatz eine von den Patienten gut akzeptierte, auch längerfristig hilfreich erlebte und wirksame Behandlungsmöglichkeit, die die konzeptionelle Bandbreite einer Klinik sinnvoll erweitert.

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