Antidepressive Medikation bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen
U. Meincke1, P. Hoff 2
1Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum der RWTH Aachen 2Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Zusammenfassung
Infolge der demographischen Entwicklung wird dieKomorbidität von depressiven Störungen mit kardiovaskulärenErkrankungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.Dies liegt zum einen an der hohen Prävalenz dieserVolkskrankheiten bei älteren Patienten, zum anderenist es gut belegt, dass depressive Syndrome mit einemzwei- bis vierfach erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisikofür kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden sind.Bislang liegen nur wenige kontrollierte Studien vor, dieeine gute Wirksamkeit von Nortriptylin als trizyklischesAntidepressivum (TZA) sowie von den Serotonin-Rückaufnahmehemmern(SSRI) Paroxetin und Sertralin beidepressiven Patienten mit kardialen Erkrankungen belegen.Aufgrund des kardiovaskulären Nebenwirkungsprofilsder TZA (z.B. arterielle Hypotonie, AV-Block, QT-Verlängerung,Verminderung der Frequenzvariabilität) sindSSRI als Medikamente der ersten Wahl in der Behandlungdepressiver Episoden bei Patienten mit koronarenHerzkrankheiten (KHK) anzusehen. Zudem ergaben sicherste Hinweise, dass SSRI möglicherweise den Langzeitverlaufkoronarer Herzerkrankungen durch Verminderungder Thrombozytenaggregationsneigung günstig beeinflussenkönnen. Auf der anderen Seite zeigen epidemiologischeStudien, dass eine langfristige Therapie mitSSRI mit einem erhöhten Risiko für hämorrhagischeKomplikationen verbunden ist. Zudem ist im klinischenAlltag auch die Kenntnis des Interaktionsprofils einzelnerSSRI mit kardiovaskulär relevanten Medikamenten (z.B.Cumarin-Derivate, Kalzium-Antagonisten, ß-Blocker,Amiodaron) von großer Bedeutung, um die Behandlungdepressiver Störungen bei herzkranken Patienten zuoptimieren. Stichworte
Depression, Antidepressiva, kardiovaskuläre Erkrankungen, koronare Herzkrankheit