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Repetitive transkranielle Magnetstimulation in der Behandlung depressiver Störungen

Zeitschrift: Nervenheilkunde
ISSN: 0722-1541
Thema:

Transkranielle Magnetstimulation: therapeutische Evidenz in der Psychiatrie

Ausgabe: 2015: Heft 12 2015 (949-1068)
Seiten: 978-986

Repetitive transkranielle Magnetstimulation in der Behandlung depressiver Störungen

Eine systematische Literaturrecherche

Zusatzmaterial online

P. M. Kreuzer (1), F. Padberg (2), C. Schönfeldt-Lecuona (3), J. Höppner (4), P. Zwanzger (5), M. Bajbouj (6), T. Kammer (3), S. Kayser (7), M. Landgrebe (8), A. J. Fallgatter (9), M. Schecklmann (1), J.-P. Lefaucheur (10, 11), B. Langguth (1)

(1) Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg am Bezirksklinikum, Regensburg; (2) Sektion Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians- Universität München; (3) Klinik für Psychiatrie and Psychotherapie III, Universitätsklinikum Ulm; (4) Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Rostock; (5) kbo-Inn-Salzach-Klinikum gemeinnützige GmbH, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Geriatrie und Neurologie; (6) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin; (7) Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Mainz; (8) kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied, Psychiatrie – Psychotherapie – Psychosomatik; (9) Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Tübingen; (10) Department of Physiology, Henri Mondor Hospital, Assistance Publique – Hôpitaux de Paris, Créteil, France; (11) EA 4391, Nerve Excitability and Therapeutic team, Faculty of Medicine, Paris Est Créteil University, Créteil, France

Stichworte

Therapie, Depression, Depressive Störungen, rTMS, Transkranielle Magnetstimulation

Zusammenfassung

Depressive Störungen treten mit einer jährlichen Prävalenz zwischen 5 und 15% in der Gesamtbevölkerung auf. Der Einsatz der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) zur Behandlung depressiver Störungen stellt das Indikationsgebiet mit der umfassendsten Datengrundlage und den vielversprechendsten Ergebnissen dar. Bei der Anwendung von rTMS bei depressiven Störungen handelt es sich um ein akzeptiertes, evidenzbasiertes Therapieverfahren, welches durch die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung, das kanadische Network for Mood and Anxiety Treatments und die World Federation of Societies of Biological Psychiatry anerkannt wird. Basierend auf der Hypothese einer Lateralisation der Emotionsverarbeitung bei depressiven Patienten wurden zwei Hauptlinien in der rTMS-Behandlung depressiver Störungen entwickelt: einerseits niederfrequente inhibierende Stimulation des rechten DLPFC (mutmaßlich hyperaktiv bei depressiven Patienten) und hochfrequente (exzitatorische) rTMS des linken DLPFC (mutmaßlich hypoaktiv bei depressiven Patienten) bzw. eine Kombination beider Ansätze. Für beide Ansätze steht eine überzeugende Evidenz zur Verfügung, welche auf den antidepressiven Effekt von rTMS insbesondere bei der Behandlung akuter unipolar-depressiver Episoden verweist. Generell ist davon auszugehen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Behandlung mit rTMS bei einer Anwendung im akuten Stadium, relativ jungen Patienten (< 65 Jahre) und geringer Therapieresistenz oder mit nur teilweiser therapeutischer Response am höchsten ist. Die durch Therapiestudien gemessene Stärke der antidepressiven Wirkung gilt als moderat und unterliegt dem antidepressiven Effekt einer Elektrokonvulsionstherapie. Um rTMS aber als therapeutische Option in Deutschland für die Behandlung depressiver Störungen in der Zukunft attraktiv zu gestalten, wird es von entscheidender Bedeutung sein, den genauen Stellenwert der rTMS in einem gestuften Behandlungsschema zu definieren sowie klinisch effektive „Erhaltungsprotokolle“ zu definieren, um einen erreichten Therapieerfolg zeitlich überdauernd zu sichern. Zudem sollte die rTMS an geeigneter Stelle in den Behandlungsleitlinien Eingang finden. Es kann unter Berücksichtigung dieser Kritikpunkte rTMS des DLPFC als klinisch relevante therapeutische Technik zur Behandlung pharmakoresistenter, mittelgradiger bis schwerer depressiver Episoden empfohlen werden.

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