Dissoziation – psychotherapeutische und pharmakologische Interventionen
I. Böge
Kinder- und Jugendpsychiatrie, ZfP-Weissenau, Ravensburg
Zusammenfassung
Dissoziation ist eine Reaktion auf ein Trauma, bei dem es zur Unterbrechung integrativer Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umgebung kommt. Traumatische Erinnerungen werden als sensorische Empfindungen/affektive Zustände gespeichert (Amygdala), nicht aber als persönliche autobiographische Geschichten (Hippokampus). Bei Triggern von den isoliert ohne Kontext erinnerbaren emotionalen Schemata kommt es zu automatisierten Dissoziationen, welche in der initialen Situation eine Schutzfunktion dargestellt haben, in Folge aber dysfunktional sind. In der Behandlung einer dissoziativen Störung gilt es, die primären Emotionen in einer sicheren therapeutischen Beziehung zugänglich zu machen, damit eine langsame korrektive neue Integration und Vernetzung der dissoziierten Anteile in das zugängliche Bewusstsein ermöglicht werden kann. Hieran schließt sich ein Erlernen neuer, anderer funktionaler Problemlösungsschemata (über Trigger in Traumaassoziierten Situationen) an. Die Psychopharmakologie hat in der Therapie dissoziativer Störungen bisher nur einen geringen Stellenwert. Im Zusammenhang mit dissoziativen Störungen sind bisher Antidepressiva, Benzodiazepine, Opiatantagonisten sowie antiadrenerge Substanzen untersucht worden. Aber bisher kann die Pharmakotherapie nur als Ergänzung zur Psychotherapie angesehen werden. Stichworte
trauma, Dissoziation, therapeutische Interventionen, pharmakologische Interventionen