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Der Depression die Stirn bieten – mit Botulinumtoxin

Zeitschrift: Nervenheilkunde
ISSN: 0722-1541
Thema:

Botulinumtoxin: Vom Wurstgift zum Antidepressivum?

Ausgabe: 2013: Heft 12 2013 (899–-990)
Seiten: 929-932

Der Depression die Stirn bieten – mit Botulinumtoxin

M. A. Wollmer (1), K. Kollewe (2), T. H. C. Krüger (3)

(1) Klinik für Gerontopsychiatrie, Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll, Hamburg; (2) Neurologische Klinik mit klinischer Neurophysiologie, Medizinische Hochschule Hannover; (3) Zentrum für Seelische Gesundheit, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Stichworte

Depression, Botulinumtoxin, Facial Feedback

Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel: Nach Behandlung der Glabellafalte mit Botulinumtoxin A (BoNT) in einer offenen Fallserie ist es bei Patientinnen, die an einer Depression litten, zu einer Besserung oder Remission der Depression gekommen. Mit der hier vorgestellten randomisierten, kontrollierten Studie soll die Frage beantwortet werden, ob eine adjuvante BoNT-Behandlung der Glabellafalte einen positiven Effekt auf die Depression zeigt. Methodik: Es wurden je 15 Patienten in die Verum- (BoNT) oder in die Placebogruppe randomisiert. Primärer Endpunkt war die Veränderung auf der 17-Item-Version der Hamilton-Depressionsskala (Ham-D17) sechs Wochen nach der BoNT-Injektion, zudem wurde der Beck-Depressionsinventar (BDI) und die Clinical Global Impression (CGI) erhoben. Ergebnisse: Über die 16-wöchige Beobachtungszeit kam es in der Verumgruppe zu einer signifikanten Besserung der Symptome der Depression (Ham-D17, F = 5,76, p < 0,001, η²= 0,17). Sechs Wochen nach einer einmaligen Behandlung waren die Ham-D17-Werte bei den mit BoNT behandelten Studienteilnehmern im Schnitt um 47,1% und bei denen in der Placebogruppe um durchschnittlich 9,2% gesunken (F = 12,30, p = 0,002, η² = 0,31, d = 1,28). Die klinische Verbesserung spiegelte sich in gleicher Weise im BDI und in der CGI wider. Schlussfolgerung: Diese Studie zeigt, dass eine einmalige Behandlung der Glabellaregion mit BoNT als adjuvante Therapie bei Patienten mit Depression zu einer rasch einsetzenden, ausgeprägten und lang anhaltenden Besserung der Depression führen kann. Sie unterstützt die Facial-Feedback-Theorie, gemäß der die Mimik nicht nur Stimmung ausdrücken, sondern auch regulieren kann.

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