Interaktionen zwischen Gehirn, Psyche und Schilddrüse*
M. Schmidt1; W. Huff2; M. Dietlein1; C. Kobe1; H. Schicha1
1Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin; 2Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie; 1,2Universitätsklinikum Köln
Zusammenfassung
Interaktionen zwischen Gehirn, Psyche und Schilddrüse sind aus historischen Beschreibungen der Thyroidektomie (Kocher) und Hyperthyreose bekannt, finden aber in der Routine eine eher untergeordnete Beachtung. Schilddrüsenhormonmangel in der Schwangerschaft kann eine irreversible mentale Retardierung hervorrufen und ist mit Levothyroxin zu substituieren. Das TSH-Screening soll Neugeborene mit kongenitaler Hypothyreose identifizieren: Frühe Levothyroxin-Substitution und konsequente Therapieüberwachung sind indiziert. Hypothyreose und Depression haben viele gemeinsame Symptome. Kognitive Veränderungen und depressive Zustände sind bei manifester Hypothyreose häufig, psychotische Störungen selten. Levothyroxin bessert Hypothyreosesymptomatik, Gedächtnisleistung, Stimmung und Antrieb. Psychische Symptome bei Hyperthyreose umfassen Unruhe, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Hyperaktivität und Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken. Manische und wahnhafte Zustandsbilder sind selten. Hyperthyreosen bei geriatrischen Patienten können oligosymptomatisch verlaufen. Bei psychiatrischen Patienten sind häufige unspezifische Schilddrüsenparameter-Veränderungen, die reversibel sind und keiner Therapie bedürfen, zu unterscheiden von ursächlich seltenen organischen Schilddrüsenerkrankungen mit Therapiekonsequenzen. Auch auf den Einfluss von Medikamenten auf Schilddrüsenparameter ist zu achten. Eine Hypothyreose wird als negativer prognostischer und somit behandlungsbedürftiger Faktor bei Patienten mit Depression angesehen. Hypothyreose-bedingte psychiatrische Symptome sind unter Substitutionstherapie meist binnen 4–8 Wochen reversibel. Standard bei Hypothyreose ist die Mono-Levothyroxintherapie. Stichworte
Hyperthyreose, Depression, Hypothyreose, Psychose, Hirnentwicklung, Psyche, Kretinismus
DOI
http://dx.doi.org/10.3413/nukmed-0191