Strahlenexposition in der Umgebung von Patienten nach Radiopharmaka-Applikation - Teil 1: Nuklearmedizinische Diagnostik
F. Sudbrock; F. Boldt; C. Kobe; W. Eschner; H. Schicha
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin (Direktor Prof. Dr. H. Schicha) der Universität zu Köln
Zusammenfassung
Ziel: Die Anwendung radioaktiver Substanzen am Menschen ist mit einer Strahlenexposition in der Umgebung des Patienten verbunden. Die Arbeit gibt anhand eigener Messungen einen breiten Überblick der auftretenden Photonendosisleistungen in Abhängigkeit von Radiopharmakon, Zeitpunkt und Abstand. Die Daten sind für beruflich exponierte, helfende sowie sonstige Personen von Bedeutung. Patienten, Methode: Zur Messung der Dosisleistungen wurden 67 Patienten herangezogen, denen folgende Radiopharmaka verabreicht wurden: 99mTc-HDP sowie 99mTc-Pertechnetat, 18F-Fluordeoxyglucose, 111In-Octreotid und 111In-Zevalin® sowie 123I-mIBG und 123I-NaI. Messungen erfolgten direkt nach Applikation in sechs verschiedenen Abständen. Nach zwei Stunden wurden die Messungen am selben Patienten erstmals wiederholt sowie nach Möglichkeit 24 Stunden und 7 Tage nach Applikation. Ergebnis: Unmittelbar nach Applikation liegen die maximalen Dosisleistungen direkt am Patienten gemessen in jedem Fall unterhalb von 1 mSv/h: maximal 780 μSv/h bei 18F (370 MBq), 250 μSv/h bei 99mTc (700 MBq), 150 μSv/h bei 111In (185 MBq) und 132 μSv/h bei 123I (370 MBq). Bereits in einem halben Meter Abstand fallen die Dosisleistungen deutlich auf fast 1/10 des direkt am Patienten gemessenen Wertes ab. Zwei Stunden nach Applikation liegen die Dosisleistungen bei einem Drittel der Ausgangswerte (99mTc, 18F), bzw. bei etwas mehr als der Hälfte (123I). Im Falle der Indium-Radiopharmaka fallen die Dosisleistungen aufgrund der längeren physikalischen Halbwertszeiten nur wenig ab. Schlussfolgerungen: Bei größeren Abständen werden die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung für beruflich strahlenexponierte Personen und die Bevölkerung praktisch nicht erreicht. Stichworte
Dosimetrie, Strahlenexposition, Strahlenschutz, Radiopharmaka, Dosisleistung
DOI
http://dx.doi.org/10.3413/nukmed-0184