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Stellenwert der SERMs in der Osteoporosetherapie

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Sexualhormone und Knochenstoffwechsel

Ausgabe: Hefte von 2010 (Vol. 19): Heft 2 2010 (101-178)
Seiten: 149-156

Stellenwert der SERMs in der Osteoporosetherapie

V. Ziller (1), P. Hadji (1)
(1) Schwerpunkt gynäkologische Endokrinologie, Reproduktionsmedizin und Osteologie, Klinik für Gynäkologie, gynäkologische Endokrinologie und Onkologie, Philipps-Universität Marburg

Stichworte

Mammakarzinom, Osteoporose, SERM, Östrogen-Rezeptor

Zusammenfassung

Das Steroidhormom Östrogen ist ein intrazellulärer Schlüsselmediator verschiedenster Prozesse skelettaler, muskulärer, kardiovaskulärer, neuronaler und reproduktiver Funktionen. Ziel der Entwicklung der „Selektiven Estrogenrezeptormodulatoren” (SERM) war es, über die physiologische Signalkette des Östrogenrezeptors gewebsspezifische erwünschte Östrogen-agonistische Wirkungen am Knochenstoffwechsel sowie Östrogen-antagonistische Wirkungen am Uterus und an der Brustdrüse zu erzielen. Der erste selektive Östrogenrezeptormodulator, der im Rahmen der adjuvanten Therapie des rezeptorpositiven Mammakarzinoms in die klinische Praxis eingeführt wurde, war Tamoxifen. Neben der positiven Wirkung auf die Rezidivrate beim Mammakarzinom zeigt das Profil von Tamoxifen einen ebenfalls protektiven Effekt auf den Knochenstoffwechsel und die Knochenmineraldichte sowie auf den Fettstoffwechsel postmenopausaler Frauen. Bei Raloxifen handelt es sich um die erste, seit 1998 für die Prävention und Therapie der postmenopausalen Osteoporose zugelassene Substanz aus der Gruppe der SERM. Am Knochen führt Raloxifen über eine Hemmung der Osteoklasten zu einer Umkehrung des progredienten, postmenopausalen Knochenmasseverlustes, was sich an der Reduktion der Serumspiegel der Resorptionsmarker des Knochenstoffwechsels (CTX und NTX) in den physiologischen, prämenopausalen Bereich ablesen lässt. Die Knochenmineraldichte an Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals nimmt zu, das Risiko vertebraler Frakturen wird signifikant gesenkt. Die partiell Östrogen-antagonistische Wirkung des Raloxifen am Brustdrüsengewebe zeigt sich in einer signifikanten Senkung des Brustkrebsrisikos bei Osteoporosepatientinnen und bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko ohne eine relevante Wirkung auf das Endometrium. Die häufigsten, für die Praxis relevanten Nebenwirkungen sind die leicht erhöhte Rate von Hitzewallungen sowie Thrombosen. Zusammenfassend zeigt sich ein eindeutig positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, so dass mit Raloxifen ein effektives Mittel zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose zur Verfügung steht. Weitere SERM der dritten Generation wie Lasofoxifen, Bazedoxifen, Arzoxifen etc. befinden sich derzeit in klinischer Erprobung. Lasofoxifen ist seit Februar 2009, Bazedoxifen seit April 2009 zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose zugelassen, beide sind derzeit noch nicht im Handel. Ein weiterer neuer Ansatz ist die Kombination aus Basedoxifen mit konjugiertem Östrogen, die gegebenenfalls weitere Therapieoptionen zur Prävention und Therapie der Osteoporose und anderer menopausaler Erkrankungen eröffnet.

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