Anzeige

Ausgaben

Minimalinvasiver Hüftgelenkersatz über einen vorderen Zugang

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Knochenzellbiologie und Osteoporosetherapie

Ausgabe: Hefte von 2011 (Vol. 20): Heft 3 2011 (193-288)
Seiten: 233-238

Minimalinvasiver Hüftgelenkersatz über einen vorderen Zugang

Mittelfristige Ergebnisse in 1000 konsekutiven Fällen

S. Radmer (1, 2), R. Andresen (3), M. Sparmann (1)

(1) Abteilung für Orthopädie und Rheumachirurgie, Immanuel Krankenhaus, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin Berlin; (2) Zentrum für Bewegungsheilkunde, Orthopädische Facharztpraxis, Berlin; (3) Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/Neuroradiologie, Westküstenklinikum Heide, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg

Stichworte

Hüft-TEP, minimalinvasive Chirurgie, vorderer Zugang

Zusammenfassung

Ziel der minimalinvasiven Chirurgie ist die Verminderung des Gewebeschadens, um den Blutverlust und die postoperativen Schmerzen zu verringern und dadurch die Rehabilitation zu verkürzen ohne dabei Kompromisse bei den hohen Standards von Sicherheit und Langlebigkeit der Implantate einzugehen. Der Hautschnitt soll so kurz wie möglich sein, insbesondere jedoch soll eine strukturelle Schädigung der Muskulatur durch Spalten, Quetschen oder Zerreißen und eine funktionelle Schädigung durch das Ablösen von Muskelursprüngen vermieden werden. Ziel unserer Studie war es, die klinischen Ergebnisse nach Hüft-TEP-Implantation über einen vorderen minimalinvasiven Zugang zu überprüfen. In einer prospektiven Studie wurde bei 1000 konsekutiven Patienten (Durchschnittsalter 73,6 [32–91] Jahre) eine zementfreie, Hybrid- oder zementierte Hüfttotalendoprothese implantiert. Die Operation erfolgte in Rückenlage, der Zugangsweg über einen vorderen Zugang, der das Intervall zwischen den Mm. tensor fasciae latae, gluteus medius et minimus lateral und den Mm. sartorius et rectus femoris medial verwendet. Intraoperativ wurden speziell gebogene Retraktorhaken sowie eine gewinkelte Fräse verwendet. Alle Patienten wurden unter Zuhilfenahme des Merle-d´Aubigné-Scores präoperativ sowie bei Entlassung, 6 und 12 Wochen sowie 12 Monate und 2 Jahre postoperativ untersucht, zusätzlich wurden konventionelle Röntgenkontrollen unmittelbar post OP, bei Entlassung sowie 1 Jahr post OP durchgeführt. Schmerzen wurden bis zum 7. postoperativen Tag täglich mit Hilfe der VAS-Skala bewertet. Die Operation ließ sich technisch bei allen Patienten durchführen, die Länge der Hautinzision lag bei durchschnittlich 7,8 (6–12) cm. Die durchschnittliche Operationszeit betrug 52 (45–130) min., der durchschnittliche Blutverlust über 24 h 295 (120–1200) ml. Der Mittelwert für Schmerzen lag nach VAS prä OP bei 8,1 (5–10), 3 Tage post OP bei 2,3 (0–7) sowie 7 Tage post OP bei 1,4 (0–6). Der Merle-d´Aubigné-Score betrug präoperativ durchschnittlich 9,8 (5–14). Postoperativ betrug der Score nach 10 Tagen 15,6 (9–18), nach 6 Wochen 16,8 (12–18), nach 12 Wochen 17,2 (13–18), nach 1 Jahr 17,3 (13–18) und nach 2 Jahren 16,9 (12–18). Insgesamt traten 71 Komplikationen auf: 4 Protheseninfekte, 5 periprothetische Frakturen, 4 Trochanterabrissfrakturen, 12 Wundheilungsstörungen, 4 tiefe Beinvenenthrombosen, 1 Lungenarterienembolie, 5 Luxationen, 37 Irritationen des N. cutaneus femoris lateralis. Radiologisch fanden sich keine Lockerungszeichen. Die Hüft-TEP-Implantation über den minimal-invasiven vorderen Zugang ist ein sicheres und schonendes Verfahren, das sowohl eine korrekte Positionierung der Pfannen- und Schaftkomponenten als auch die Verwendung zementfreier und zementierter Prothesenmodelle erlaubt. Muskulöse oder adipöse Patienten stellen keine Kontraindikation dar.

Artikel, die Sie auch interessant finden könnten...

1.
Ergebnisse einer Online-Umfrage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

G. S. Maier, K. Kolbow

Osteologie 2017 26 3: 157-163

2.
Indikationsgrenzen bei rheumatoider Arthritis

F. T. Beil (1), J. Hubert (1), C. Spering (1), L. Weiser (1), S. Boxriker (1), T. Hawellek (1), H. W. Lehmann (1)

arthritis + rheuma 2016 36 6: 377-380

3.

F. T. Beil (1), W. Rüther (2, 3)

arthritis + rheuma 2016 36 3: 175-179