Anzeige

Ausgaben

Formmodell-gestützte halbautomatische morphometrische Erfassung von Wirbelkörperdeformitäten in der klinischen Praxis – Ergebnisse einer ersten multizentrischen Anwendungsbeobachtung in Deutschland

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Knochenzellbiologie und Osteoporosetherapie

Ausgabe: Hefte von 2011 (Vol. 20): Heft 3 2011 (193-288)
Seiten: 239-247

Formmodell-gestützte halbautomatische morphometrische Erfassung von Wirbelkörperdeformitäten in der klinischen Praxis – Ergebnisse einer ersten multizentrischen Anwendungsbeobachtung in Deutschland

G. Möller (1), R. Andresen (2), D. Banzer (3)

(1) AMGEN (Europe) GmbH, International Development, Zug, Switzerland; (2) Department for Diagnostic Imaging and Interventional Radiology/Neuroradiology, Westküstenklinikum Heide, Germany; (3) Reference-Center for Osteoradiology, Ev. Krankenhaus Hubertus, Berlin-Zehlendorf, Germany

Stichworte

Osteoporose, Wirbelsäule, Wirbelfraktur, digitale vertebrale Morphometrie

Zusammenfassung

Hintergrund: Die akkurate Befundung von Wirbelkörperfrakturen in der klinischen Routine-Praxis ist essenziell, damit Patienten mit Osteoporose die notwendige Behandlung zur Vermeidung von weiteren Frakturen erhalten. MorphoXpress℘, ein statistisches Formmodell-gestütztes Visions-System zur halbautomatischen Wirbelkörper-Morphometrie, wurde entwickelt und soll in der klinischen Anwendung getestet werden. Ziel: Diese erste deutsche multizentrische Anwendungsbeobachtung vergleicht den Grad der Übereinstimmung zweier Methoden zur Erkennung von Wirbelkörperdeformitäten: Qualitative visuelle Auswertung von konventionellen lateralen Brust- und Lendenwirbelsäulen-Röntgenaufnahmen als „Goldstandard“ versus MorphoXpress℘, einem halbautomatischen Software-System zur Wirbelkörper-Morphometrie. Patienten und Methoden: Die Pilotstudie wurde in sieben osteologischen Zentren in Deutschland durchgeführt. Die Analyse schloss 223 ambulante Patienten mit 446 konventionellen lateralen Brust- (n=223)und Lendenwirbelsäulen-Röntgenaufnahmen (n=223) mit 2676 Wirbelkörpern von BWK5 bis LWK4 ein. Die qualitative visuelle Auswertung der Röntgenbilder wurde von klinisch tätigen Ärzten durchgeführt, die Wirbelkörper als frakturiert oder nicht frakturiert klassifizierten. MorphoXpress℘ wurde zur quantitativen Evaluation der Wirbelkörperhöhe in digitalisierten Röntgenaufnahmen genutzt, indem morphometrische Punkte innerhalb der ausgewählten Wirbelkörper in einem statistischen Formmodell-gestützten Visionssystem gesetzt wurden. Beim Gebrauch des interaktiven MorphoXpress℘-Systems konnten die klinischen Anwender die Positionen der morphometrischen Punkte revidieren. Die Übereinstimmung zwischen beiden Methoden wurde analysiert. Resultate: Bei der qualitativen visuellen Auswertung der Röntgenaufnahmen entdeckten die klinischen Untersucher Frakturen bei 92 (41,3%) Patienten während bei der Evaluation mittels MorphoXpress℘ kombiniert mit interaktiven manuellen Korrekturen bei 85 (38,1%) Patienten Frakturen festgestellt wurden. Die Verteilung der Frakturen war vergleichbar bei beiden Methoden. Das MorphoXpress℘-System alleine identifizierte 76% der frakturierten Wirbelkörper richtig. Dieses Ergebnis wurde durch zusätzliche einmalige manuelle Korrekturen durch die klinischen Untersucher auf 98% verbessert. Der zeitliche Mittelwert in der klinischen Anwendung für die morphometrische Erfassung der Wirbelkörperfrakturen mittels MorphoXpress℘ betrug 13Minuten und 36Sekunden. Schlussfolgerungen: Die quantitative Auswertung mit der aktuellen Version des MorphoXpress℘-Software-Systems zur Wirbelkörper-Morphometrie in Verbindung mit qualitativen interaktiven Korrekturen der klinischen Untersucher scheint nur ein nützliches Instrument zur Erfassung und zur Follow-up-Dokumentation von osteoporotischen Wirbelkörperdeformationen bei Patienten ohne ausgeprägte Skoliose in epidemiologischen und klinischen Therapiestudien zu sein. Gegenwärtig ist die Methode zu zeitintensiv. Nur nach deutlichen Verbesserungen der Prozesszeit und nur nach Teilnahme an einem Anwendertraining könnte die Wirbelkörper-Morphometrie mit MorphoXpress℘ hilfreich in der klinischen Routine-Anwendung bei osteoporotischen Patienten sein.

Artikel, die Sie auch interessant finden könnten...

1.

G. M. G. Sundkvist, B. Lilja, S. Mattsson

Nuklearmedizin 1997 36 2: 52-55

2.
S. v. Stengel, W. Kemmler, K. Engelke

Osteologie 2008 17 1: 24-30

3.
K. Abendroth

Osteologie 2008 17 1: 17-23