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Was gibt es Neues in der Pharmakologie von Vitamin D?

Zeitschrift:Osteologie
ISSN:1019-1291
Ausgabe:Hefte von 2011 (Vol. 20): Heft 4 2011 (289-376)
Seiten:299-303

Was gibt es Neues in der Pharmakologie von Vitamin D?

H. H. Glossmann (1)

(1) Institute for Biochemical Pharmacology, Innsbruck Medical University, Innsbruck, Austria

Zusammenfassung

Für unsere Vorfahren („Jäger und Sammler”) war Fleisch ein Hauptnahrungsmittel. Es enthält wesentlich mehr 25-(OH)-Vitamin D3 als Vitamin D3. Es ist wahrscheinlich, dass sich im nördlichen Teil Europas wegen fehlender Vitaminbildung (über die Sonne) während der langen Wintermonate die intestinale Resorption des Prohormons evolutionär adaptierte und optimal wurde: Ausgezeichnete orale Bioverfügbarkeit und minimale inter-individuelle Variation. Daher kann Calcidiol als das ideale orale „Sonnenschein-Äquivalent“ für die rasche und zuverlässige Anhebung eines insuffizienten „Vitamin-D-Status“ z.B. in klinischen Situationen betrachtet werden. Vitamin D3 wird in pharmakologischen Dosen zwischen 60–100% als „Blinder Passagier erster Ordnung“ absorbiert. Voraussetzungen hierfür sind eine intakte Leber- und Pankreasfunktion sowie ein gesunder Dünndarm. Die Dosis muss entweder mit Fett (Triglyzeride mit langkettigen Fettsäuren) und/oder einer „normalen Mahlzeit“ appliziert werden. Die Frage erhebt sich, wie kleine Mengen von Vitamin D, die üblicherweise in der Nahrung vorkommen, resorbiert werden und ob hier ein „aktiver Prozess“ eine Rolle spielt. Zellkultur-Experimente weisen darauf hin, dass Vitamin D3 u.a. über die gleichen komplexen und eng kontrollierten Mechanismen aktiv (Prozess „zweiter Ordnung“) in Enterozyten aufgenommen werden kann wie z.B. Cholesterin. Hier spielt u.a. das Rezeptor-Protein für Ezetimibe, NPC1L1, eine Rolle. In Europa besteht ein Nord-Süd-Gradient für das Apolipoprotein E Epsilon 4 Allel (30% in Finnland und etwa 5% um das Mittelmeer). Dieser Genotyp wurde offensichtlich im Norden selektiert, um mehr Vitamin D3 aus der Nahrung aufzunehmen. Eine klare Assoziation höherer Spiegel von Serum-25-(OH)-VitaminD mit diesem Allel wurde belegt und in „knock-in“-Mäusen bestätigt. In einigen Studien wurde eine Assoziation von hohen Serumspiegeln von Calcidiol mit Übersterblichkeit gefunden. Ob der (zu Alzheimer und erhöhter kardiovaskulärer Mortalität disponierende) Genotyp Apolipoprotein E Epsilon 4 hier eine Rolle spielt, ist bislang nicht erforscht. Für Mutationen im Enzym Delta-7-Dehydrocholesterin-Reduktase wurde ebenso ein Nord-Süd-Gradient gefunden. Dies weist ebenfalls auf evolutionäre Adaption der Vitamin-D3-Synthese in der Haut hin.

Stichworte

Vitamin D, Apolipoprotein E, intestinaler Transport, Calcidiol-Plasmaspiegel

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Die Zeitschrift "Osteologie/Osteology" erschien bis Ende 2007 im Verlag Hans Huber, Bern. Die Jahrgänge bis 2008 können unter www.verlag-hanshuber.com eingesehen werden.


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