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Pathophysiologie des Knochenstoffwechsels bei Osteonekrosen im Zusammenhang mit starker antiresorptiver Therapie

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Osteoplastie der Wirbelsäule
Osteonekrose des Kiefers

Ausgabe: Hefte von 2012 (Vol. 21): Heft 3 2012 (139-242)
Seiten: 186-192

Pathophysiologie des Knochenstoffwechsels bei Osteonekrosen im Zusammenhang mit starker antiresorptiver Therapie

F. Jakob (1), L. Seefried (1), R. Ebert (1)

(1) Orthopädisches Zentrum für Muskuloskelettale Forschung, Universität Würzburg

Stichworte

Bisphosphonate, Osteonekrose, Knochenstoffwechsel, Denosumab, antiresorptive Therapie

Zusammenfassung

Osteonekrosen des Kiefers sind mit der hoch dosierten Langzeittherapie von Knochenmetastasen mit Bisphosphonaten und Denosumab, selten auch mit der niedriger dosierten Therapie der Osteoporose als unerwünschte Ereignisse assoziiert. Wahrscheinlich müssen die beiden starken Antiresorptiva als einer von mehreren Risikofaktoren gelten, die im Zusammenwirken die Zerstörung von Infektionsbarrieren begünstigen und die Regeneration des betroffenen Gewebes verhindern. Mechanische Verletzung bei der Nahrungsaufnahme oder bei oralchirurgischen Eingriffen und medikamentöse Einflüsse wie Chemotherapie zerstören die Epithelbarriere, gefolgt von medikamentöser Beeinträchtigung und Abtötung der Zellen für die verschiedenen immunologischen Verteidigungslinien, das „innate immune system“ (Monozyten/Makrophagen und Granulozyten) und das adaptive Immunsystem (B- und T-Zellen). Osteoklasten als Abräumer des knöchernen Gewebsdetritus werden ebenso beeinträchtigt wie möglicherweise Osteoblastenvorläufer und Endothelien als Ausgangspunkt der knöchernen Regeneration. Der Anteil der Bisphosphonate an den genannten Vorgängen beinhaltet die Einleitung der Apoptose von Monozyten und Osteoklasten und kann theoretisch – so genügend hohe Konzentrationen erreicht werden – auch zur Apoptose osteoblastärer, epithelialer und endothelialer Zellen beitragen. Chemotherapeutika und Immunsuppressiva haben besonders starke Einflüsse auf die Zellen des innate und adaptiven Immunsystems. Letztlich erscheint die Osteonekrose des Kiefers als eine facettenreiche Erkrankung, zu der starke Antiresorptiva wie Bisphosphonate und Denosumab nur einen Teil beitragen, der allerdings im Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren nicht unwesentlich ist. Weitere Forschung ist erforderlich für die Klärung der Frage, ob die Biologie des Kieferknochens aufgrund der entwicklungsbiologischen Abstammung Besonderheiten aufweist, welche die Suszeptibilität begünstigen, oder ob die ausgesprochen hohe Exposition dieser Region zu Bakterien und Pilzen im Kontext mit ernsthaft eingeschränkten Immun- und Gewebereparaturfunktionen der ausschlaggebende Faktor ist.

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