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Hohes Frakturrisiko nach langfristiger oraler Bisphosphonattherapie plus Vitamin D

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Osteoporose des Mannes

Ausgabe: Hefte von 2013 (Vol. 22): Heft 4 2013 (249–328)
Seiten: 283-289

Hohes Frakturrisiko nach langfristiger oraler Bisphosphonattherapie plus Vitamin D

Fortsetzen oder von Vitamin D auf Alfacalcidol switchen?

J. D. Ringe (1), E. Schacht (2)

(1) West-German Osteoporosis Center (WOZ) Med. Clinic 4, Klinikum Leverkusen (University of Cologne), Leverkusen, Germany; (2) Zurich Osteoporosis Research Group (ZORG), Zollikerberg, Switzerland

Stichworte

Osteoporose, Vitamin D, Alfacalcidol, langfristige Bisphosphonat-Therapie, Behandlungsfortsetzung

Zusammenfassung

Einleitung: Die optimale Dauer einer Bisphosphonat (BP)-Therapie ist bislang nicht eindeutig definiert. In einer aktuellen Publikation der amerikanischen FDA wird empfohlen, den Status von BP-Patienten in regelmäßigen Intervallen zu überprüfen und bei niedrigem Frakturrisiko nach drei bis fünf Jahren die BP-Therapie zu unterbrechen, bei hohem Risiko fortzuführen. Patienten und Methoden: Wir verglichen bei Patienten mit nach 4,3 Jahren BP weiterhin hohem Frakturrisiko die fortgesetzte BP-Anwendung plus natürliches Vitamin D versus Alfacalcidol über zwei weitere Jahre. Die Studie basierte auf retrospektiver Aktenauswertung von 214 Patienten (167 Frauen, 47 Männer). Entsprechend der Vortherapie führten 145 die orale BP-Therapie mit Alendronat (ALN), 69 mit Risedronat (RIS) fort. Zusätzlich erhielt die Gruppe A (n = 106) 800 IE Vitamin D plus 1200 mg Kalzium und Gruppe B (n = 108) 1 μg Alfacalcidol und 500 mg Kalzium pro Tag. Die jeweiligen Anteile an Frauen und Männern und ALN- und RIS-Patienten waren für die beiden Gruppen nicht unterschiedlich. Die Knochendichtewerte (BMD) wurden zu Beginn und nach 12 und 24 Monaten an der Lendenwirbelsäule (LS) und am Oberschenkelhals (FN) mit DXA bestimmt. Mittels lateraler Wirbelsäulen-Morphometrie (DXA) wurden vorbestehende und neu auftretende Wirbelfrakturen erfasst. Weiterhin wurde die Anzahl der Stürze und die Patientenzahl mit Stürzen vor und während der Studie dokumentiert, Rückenschmerz-Score (VAS 0–10), unerwünschte Effekte (AE) sowie die Anzahl nichtvertebraler Frakturen. Zusätzlich wurden bezüglich aller Endpunkte auch Subgruppen-Analysen durchgeführt für Frauen, Männer, ALN und RIS. Ergebnisse: Die LS-BMD änderte sich über die zwei Jahre mit + 1,1 % nicht signifikant in Gruppe A, jedoch in Gruppe B mit BP plus Alfacalcidol um + 5,5 % (B vs. A p < 0,01). Am FN-Messort betrugen die entsprechenden Änderungen + 0,6 % und + 3,4 % (p < 0,01). Die mittlere Sturzhäufigkeit pro Patientenjahr nahm in Gruppe A um 12 %, in Gruppe B um 44 % ab (p < 0,03). Die mittlere Abnahme des Rückenschmerz-Scores war ausgeprägter für BP plus Alfacalcidol nach zwei Jahren (p < 0,02). Während die Häufigkeit neuer vertebraler Frakturen nicht signifikant zwischen den beiden Therapiegruppen differierte, zeigt die Alfacalcidol-Gruppe signifikant weniger nichtvertebrale Frakturen (p < 0,05). Entsprechende Befunde ergaben sich für nahezu alle Endpunkte auch für die Subgruppen. Die Anzahl und Art der AE war für beide Gruppen nicht unterschiedlich und schwerwiegende AE wurden nicht mitgeteilt. Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass bei weiblichen und männlichen Osteoporosepatienten, die nach 4,3 Jahren BP noch ein erhöhtes Risiko haben, eine geänderte Therapiekombination mit Alfacalcidol einer Weiterführung mit natürlichem Vitamin D deutlich überlegen ist.