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Behandlungsstrategien bei Charcot-Osteoarthropathie

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Osteoporose und Diabetes mellitus

Ausgabe: Hefte von 2014 (Vol. 23): Heft 2 2014 (73-160)
Seiten: 107-116

Behandlungsstrategien bei Charcot-Osteoarthropathie

S. Rammelt (1), H. Zwipp (1), W. Schneiders (1)

(1) UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden

Stichworte

Arthrodese, Osteosynthese, Charcot-Fuß, Neurogene Osteoarthropathie, Entlastung

Zusammenfassung

Die neuropathische Osteoarthropathie („Charcot-Fuß“) ist eine schwere pathologische Alteration von Knochen, Gelenken und Weichteilen an Fuß und Sprunggelenk. Die Genese der Erkrankung ist multifaktoriell und noch nicht vollständig aufgeklärt. Ein entscheidender pathogenetischer Faktor ist der Verlust der Schutzsensibilität des Fußes; auslösend ist ein vom Patienten nicht immer wahrgenommenes, mitunter repetitives Trauma. Die frühe Phase der Erkrankung ist von einer entzündlichen Veränderung gekennzeichnet, die über proinflammatorische Zytokine vermittelt wird und von einer akuten Infektion beim diabetischen Fußsyndrom abgegrenzt werden muss. Der Diabetes mellitus ist die weitaus häufigste Ursache neuropathischer Veränderungen am Fuß, jedoch kann das Vollbild eines Charcot-Fußes bei Neuropathien jeder Genese und auch idiopathisch auftreten. Das Behandlungsziel beim Charcot-Fuß ist ein plantigrader, stabiler, infektfreier Fuß ohne Ulzeration und mit sicherer Gehfähigkeit in entsprechend angepasstem Schuhwerk. Aufgrund der unterschiedlichen Genese, des vielgestaltigen Krankheitsbildes und fehlender vergleichender oder gar randomisierter Studien gibt es keine höhergradige Evidenz zur Therapie. In vielen Fällen ist die konsequente Entlastung im Kontaktcast die Therapie der Wahl, um eine Konsolidierung der Knochen und Weichteile zu erzielen. Die Indikation zur operativen Stabilisierung ist gegeben bei hochgradiger Instabilität und Deformität, drohender Hautperforation durch knöcherne Prominenzen, therapierefraktären Ulzerationen und der Unmöglichkeit der orthopädischen Schuhversorgung. Zur Anwendung kommen stabile Arthrodeseverfahren, während konventionelle Osteosynthesen zwangsläufig zum Implantatversagen führen. Aufgrund des häufigen Versagens der konservativen Therapie insbesondere bei Befall des oberen Sprunggelenks wird die Indikation zur frühzeitigen Stabilisierung zunehmend großzügiger gestellt, um den Krankheitsverlauf abzukürzen. Prolongierte Verläufe mit schwerwiegenden Komplikationen resultieren nach wie vor aus einer mangelnden Kenntnis des Krankheitsbildes mit verzögerter Diagnosestellung und inadäquater Therapie.

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