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Moderne Osteoprotektion in der Onkologie

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Osteoonkologie

Ausgabe: Hefte von 2014 (Vol. 23): Heft 4 2014 (233–308)
Seiten: 251-261

Moderne Osteoprotektion in der Onkologie

I. J. Diel (1)

(1) Schwerpunktpraxis für Gynäkologische Onkologie, Mannheim

Stichworte

Bisphosphonate, Knochenmetastasen, Denosumab, RANK/RANKL/OPG-Signalweg

Zusammenfassung

Knochenmetastasen zerstören den Knochen, dadurch dass Tumorzellen über parakrine Sekretion von osteotropen Substanzen den RANK/RANKL/OPG-Signalweg aktivieren, der zu einer gesteigerten Osteoklastenaktivierung führt. Bei der subsequenten Zerstörung der Knochenmatrix werden zuvor eingelagerte Wachstumsfaktoren freigesetzt, die zu einer Steigerung der proliferativen Aktivität der Tumorzellen beitragen können (Circulus vitiosus, maligner Dialog). Antiosteolytische Substanzen hemmen die Neubildung und/oder Aktivierung von Osteoklasten und reduzieren so das Ausmaß der skelettalen Zerstörung. Das Ziel aller Therapiemaßnahmen bei Knochenmetastasen ist die Reduktion sogenannter skelettaler Komplikationen, wie Knochenschmerz, pathologische Frakturen, spinale Kompressionssyndrome und hyperkalzämische Episoden, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und deren Überlebenszeit zu verlängern. Nicht nur die Therapie kann im Rahmen einer Tumorerkrankung zu einer Osteoporose führen, auch die Grundkrankheit selbst kann durch reduzierte körperliche Aktivität, Immobilisierung, Nausea, Mangelernährung und direkte Effekte des Tumors zu einer Reduktion der Knochenmasse führen. Als eigenständiger Risikofaktor gilt jedoch insbesondere die medikamentöse Therapie. Zahlreiche Chemotherapeutika können den Knochen direkt, auch ohne Ausschaltung der gonadalen Aktivität, schädigen. Weitaus nachhaltiger wird der Knochen durch den Hypogonadismus beeinträchtigt, der bei Patienten mit hormonempfindlichen Tumoren erwünschtes Therapieziel ist. Zur Behandlung und Prophylaxe der Osteoporose gibt es zahlreiche medikamentöse Möglichkeiten, aber mit keiner anderen Substanzklasse liegen bei der tumortherapieinduzierten (TTI) Osteoporose so gute Resultate vor wie zu den Bisphosphonaten. Zumindest gleich gute Ergebnisse erzielt man mit der Anwendung von Denosumab bei Mammakarzinompatientinnen mit Aromatasehemmer-induzierter Osteopenie und bei Männern mit Prostatakarzinom und Androgenblockade. Kaum eine Einsatzmöglichkeit von osteoprotektiven Substanzen ist in den vergangenen Jahren so kontrovers diskutiert worden wie die Option zur Vermeidung von Knochenmetastasen. Das liegt zum größten Teil an den sehr divergenten Ergebnissen der einzelnen Studien, insbesondere zum Einsatz von Clodronat oder Zoledronat adjuvant. Nach einer kürzlich erschienenen Metaanalyse verbessern Bisphosphonate signifikant das knochenmetastasenfreie und das Gesamtüberleben – und das trotz Unterschieden in Applikationsweise, Patientenkollektiven und Einschlusskriterien der jeweiligen Studien. Es gibt also berechtigte Hinweise, diese Indikation weiter zu untersuchen, um herauszufinden wer von einem adjuvanten Einsatz profitiert und wer nicht. Nach derzeitigem Wissensstand sind es Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko, aktiviertem Knochenstoffwechsel (Östrogendepletion, postmenopausal) und/oder Tumorzellen im Knochenmark.

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