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Zellulärer vs. azellulärer Knochen

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Osteozyt: Morphologie & Funktion

Ausgabe: Hefte von 2016 (Vol. 25): Heft 2 2016 (57-138)
Seiten: 77-82

Zellulärer vs. azellulärer Knochen

Eine Übersicht mit Hauptaugenmerk auf Echten Knochenfischen (Teleostei)

T. Rolvien (1), B. Busse (1)

(1) Department of Osteology and Biomechanics, University Medical Center Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

Stichworte

Osteozyt, Azellulärer Knochen, Knochenremodeling, Teleostei

Zusammenfassung

Vergleicht man den zellulären Knochen von Säugetieren mit azellulärem Knochen in Fischen, so ist es bemerkenswert, dass azellulärer Knochen an Knochenumbaumechanismen sowie auch an der Mineralhomöostase des Organismus beteiligt ist– zwei Charakteristiken, die generell mit Osteozyten in Verbindung gebracht werden. Echte Knochenfische (Teleostei) zeichnen sich durch eine evolutionäre Entwicklung von azellulärem Knochen aus. Das bedeutet, dass Osteozyten in ihrer Funktion entweder nicht mehr notwendig waren oder es tatsächlich noch andere Kommunikationswege im azellulären Knochen gibt. Das Fehlen von Osteozyten trotz einer funktionierenden Osteoid- und Knochenmatrixdeposition durch Osteoblasten lässt annehmen, dass Mechanismen vorhanden sind, die den Übergang von Osteoblasten zu Osteozyten verhindern. Azellulärer Knochen ist in der Lage, osteonartige Strukturen zu formen, sich veränderten Belastungen anzupassen sowie osteoklastäre Knochenresorption zuzulassen. Berücksichtigt man die große Vielfalt von zellulären und azellulären Knochenformen unter den Teleostei, sind das Vorhandensein von resorptionsfähigen mononukleären Osteoklasten, eine hohe Knochenmineralisation sowie die stabilisierende mineralisierte Chorda dorsalis nur einige Besonderheiten, die weiter erforscht werden sollten. Es gibt Anzeichen, die für evolutionäre Stadien zwischen zellulärem und azellulärem Knochen sprechen. So zeigt der Europäische Aal Anguilla anguilla effektive Knochenresorption durch Osteoklasten und wenige kleine Osteozytenlakunen mit unbekanntem Netzwerkcharakter. Die Untersuchung und Bildgebung von osteozytären und nichtosteozytären Strukturen auf den verschiedenen hierarchischen Knochenebenen werden weiter helfen, diese für die Knochenbiologie zu Grunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.

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