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Zu viel oder zu wenig Phosphat – relevante Risikofaktoren für Osteoporose?

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Ausgabe: Hefte von 2008 (Vol. 17): Heft 2 2008 (35-102)
Seiten: 67-70

Zu viel oder zu wenig Phosphat – relevante Risikofaktoren für Osteoporose?

J. D. Ringe
Westdeutsches Osteoporose Zentrum (WOZ) und Medizinische Klinik 4 (Schwerpunkt: Rheumatologie/ Osteologie) am Klinikum Leverkusen; Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln

Stichworte

Osteoporose, Phosphatversorgung, Hypophosphatämie, Hyperphosphatämie, alimentäre Zufuhr, renaler Verlust

Zusammenfassung

Bei Störungen des Phosphatstoffwechsels sind die extremen Normabweichungen der Serumspiegel klinisch meist einfach zu werten. Eine signifikante, persistierende Hypokalzämie, z. B. bei renal-tubulärem Phosphatverlust, führt eindeutig zur Osteomalazie. Die chronische Hyperphosphatämie, z. B. bei dialysepflichtiger Niereninsuffizienz, bedeutet ein hohes Risiko extraossärer Kalzifikationen. Eine stark gesteigerte orale Phosphatzufuhr hat bei wachsenden Ratten negative Effekte auf den Kalzium- und Knochenstoffwechsel und führt zu deutlicher Reduktion der Knochenfestigkeit. Eine nutritiv bedingte Hyperphosphatämie kommt jedoch beim Erwachsenen mit normaler Nierenfunktion praktisch nicht vor, da die renale Phosphateliminations- Kapazität der Nieren sehr hoch ist. Auch ein alimentär bedingt höhergradiger Phosphatmangel ist bei gesunden Erwachsenen bei der üblichen eher phosphatreichen Ernährung selten. Allenfalls bei 5–15 % der älteren Bevölkerung können niedrig normale oder leicht verminderte Serum-Phosphatspiegel gefunden werden. Solange die Serum-Phosphatspiegel über 1 mmol/l (= 3,1 mg/dl) liegen, ist im Milieu des Knochengewebes eine ausreichend hohe Konzentration diese Anions für die Mineralisation vorhanden, d. h. eine Mineralisationsstärung tritt noch nicht auf. Wichtig und bislang noch nicht genügend gewürdigt sind jedoch Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die gut gemeinte routinemäßige, langzeitige Substitution mit nichtphosphathaltigen Kalziumsalzen bei älteren Osteoporosepatienten durchaus zu einer relevanten Phosphatinsuffizienz führen kann. Daraus wurde die Empfehlung abgeleitet, älteren Osteoporosepatienten zumindestens einen Teil ihrer Kalziumsupplemente in Form von Kalziumphosphat zu verordnen. Diese Sicht wird durch eine aktuelle Meta-Analyse gestützt. Weitere klinische Forschung bezüglich der Interaktionen von Kalzium und Phosphat in der Ernährung erscheinen jedoch dringend nötig. Möglicherweise ist die viel zitierte Gefahr einer reduzierten Kalziumaufnahme aus dem Darm durch phosphatreiche Kost klinisch weniger relevant als die wenig bekannte umgekehrte Gefahr eines Phosphatmangels durch chronisch hoch dosierte, phosphatfreie Kalziumsupplemente.

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