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Die Problematik der Schenkelhalsfrakturen

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Ausgabe: Hefte von 2009 (Vol. 18): Heft 2 2009 (73-168)
Seiten: 89-95

Die Problematik der Schenkelhalsfrakturen

F. Bonnaire (1), Th. Lein (1), A. Weber (1)
(1) Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt, Dresden

Stichworte

Osteoporose, Knochendichte, Totalendoprothese, Osteosynthese, Schenkelhalsfraktur, Duokopfprothese

Zusammenfassung

Intrakapsuläre Schenkelhalsbrüche sind beim älteren Patienten in mehr als 80% der Fälle mit einer Osteoporose assoziiert. Ihre Häufigkeit steigt ab dem 60.Lebensjahr merkbar an und die Fraktur gilt als typische Fraktur des alternden Menschen. Die Frakturen ereignen sich beim älteren Menschen infolge von Niedrigrasanztraumen wie Stolpern, Sturz aus dem Stand oder Gang und sind häufig verbunden mit Koordinationsstörungen und Muskelschwäche. Die Bruchlast für eine Frakturentstehung am Schenkelhals ist eng korreliert mit der Osteoporose und der Knochendichte. Auch der Durchmesser und die Länge des Schenkelhalses haben einen signifikanten Einfluss auf die Belastbarkeit des Schenkelhalses. Je nach Testverfahren und Bestimmung der Knochendichte resultieren Bruchlasten zwischen 4000N beim schwerst osteoporotischen Knochen und 13000 N beim jugendlichen, gesunden Knochen. Die Frakturen der jugendlichen und jüngeren Menschen gehen also immer auf Hochrasanztraumen zurück. Die operative Versorgung der Schenkelhalsfrakturen richtet sich nach den erreichbaren Ergebnissen: Beim jüngeren Patienten ist jeder Versuch des Gelenkerhaltes mit einer Osteosynthese gerechtfertigt, auch bei schwerster Dislokation des Femurkopfes und bei länger zurückliegendem Trauma. Der endoprothetische Ersatz führt bei hohem Aktivitätsgrad des betroffenen Verletzten zu einer frühen Prothesenlockerung, die im Verlauf möglicherweise einen oder mehrere Prothesenwechsel nach sich ziehen könnte. Beim älteren Patienten müssen die Aussichten auf eine komplikationslose Heilung ohne Ausbildung der typischen Komplikationen wie Femurkopfnekrose, Schenkelhalsnekrose oder Redislokation der Fraktur im Vordergrund stehen. Voraussetzung für jede akzeptable Behandlung ist die sofortige Mobilisation und Vollbelastung des betroffenen Beines. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland aufgrund verbesserter Möglichkeiten eine Tendenz zum Gelenkerhalt auch beim älteren Patienten mit guter Aussicht auf Rekonstruktion und Heilung des Schenkelhalses herausgefiltert. Die Anhaltspunkte für die Behandlung sind in den neuen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie auf der Website www.awmf-online.de nachzulesen.

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