Der Fokus in der tiefenpsychologischen Psychotherapie - Ein entwicklungspsychologisches Konzept1
Michael Klöpper
Zusammenfassung
Die Begriffe Afokalität und Fokalität beschreiben Haltungen des Therapeuten, insbesondere jedoch Modi der Konzentration der Aufmerksamkeit des Psychotherapeuten. Beide Haltungen kommen während der therapeutischen Arbeit zur Anwendung. Sie stellen sicher, dass der Therapeut ständig im Modus der Empathie und Ziellosigkeit dem Patienten folgt, dass er gleichzeitig aber auch immer bereit ist, alles Wahrgenommene zu reflektieren und schrittweise unter Verwendung der ihm bekannten Theorien in Verstehenszusammenhänge zu bringen. Auf diese Weise entspringt der Fokus der Haltung der Afokalität. Für den Weg bis zur Formulierung des Fokus wird folgende Schrittabfolge vorgeschlagen: Identifikation des unbewussten Beziehungsmusters (1), Verwendung der Theorie als Werkzeug = metapsychologische Reflektion (2), Verstehen der Ätiologie = psychodynamische Reflektion: Defizit, Konflikt, Trauma (3), Prüfung der Dominanz des Beziehungsmusters (4), Bestimmung der Störung des Selbst auf der Ebene von Struktur und Konflikt (5), Bestimmung der Elemente aus Struktur und Konflikt für den Behandlungsplan (6). Die Formulierung des Fokus beinhaltet die wesentlichen Symptome und das dominante Beziehungsmuster des Patienten, die im Kontext von Struktur, Konflikt und Reifungsniveau des Selbst zu verstehen sind. Auf diese Weise entsteht ein zentraler Beziehungsfokus in Anlehnung an den „zentralen Beziehungskonflikt“ bei Luborsky (1984). Stichworte
Struktur, Konflikt, Afokalität, Beziehungsmuster, Fokus, tiefenpsychologische Psychotherapie, zentrales Beziehungsmuster