Effizienz und Verträglichkeit der bipolaren Radiofrequenz Induzierten Thermotherapie (RFITT) zur Behandlung insuffizienter Stammvenen
M. Camci (1), B. Harnoss (2), G. Akkersdijk (3), B. Braithwaite (4), L. Hnatek (5), E. Roche (6), P. Santoro (7), M. Sarlija (8), Y. Sezgin (2), D. Nio (3), M. Ajduk (8), D. Koios (2)
(1) Mediapark Klinik, Köln, Deutschland; (2) Martin-Luther-Krankenhaus, Berlin, Deutschland; (3) Spaarne Ziekenhuis, Hoofddorp, Niederlande; (4) Mapperley Park Clinic, Nottingham, Großbritannien; (5) Atlas Hospital, Zlin, Tschechische Republik; (6) Platón Clinica, Barcelona, Spanien; (7) Angiomedica, Rom, Italien; (8) Klinicka Bolnica Dubrava, Zagreb, Kroatien
Zusammenfassung
Bei der Behandlung insuffizienter Stammvenen ersetzen endoluminale Verfahren wie Lasertherapie, Radiofrequenztherapie und Sklerotherapie immer mehr das klassische Venenstripping. Zwischenergebnisse der laufenden internationalen, multizentrischen BRITTIV-Studie zur Untersuchung der Effizienz und Verträglichkeit der minimal invasiven bipolaren RFITT (RadioFrequenz-Induzierten ThermoTherapie) werden hier vorgestellt. Patienten, Methoden: Bei Patienten mit Stammvarikose der V. s. magna (VSM) oder V. s. parva (VSP) wird ein flexibler bipolarer RFITT-Applikator unter Ultraschall-Kontrolle in die zu behandelnde Vene eingeführt. Die Okklusion der Vene wird durch Impedanz-kontrollierte Abgabe von Radiofrequenzenergie erreicht, während der RFITT-Applikator gleichmäßig zurückgezogen wird. Die Effizienz und Verträglichkeit der RFITT wird über ein Jahr durch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen überprüft. Ergebnisse: Bisher wurden an acht europäischen Kliniken insgesamt 345 Stammvenen (90% VSM, 10% VSP) bei 271 Patienten (Mittelwert Alter 50 Jahre, 63% Frauen, Mittelwert CEAP 2,8) mit RFITT behandelt. Bei 72% der Patienten erfolgte eine Allgemeinnarkose (18% spinal, 11% lokal) und 83% der Venen (Mittelwert Länge 45 cm) wurden Tumeszenz-unterstützt behandelt. Im Durchschnitt betrug die Applikationszeit 1,4 s/cm bei einer mittleren Leistungsabgabe von 24 W. Zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse nach einem durchschnittlichen Nachsorgezeitraum vom 103 Tagen waren bei 335 der behandelten Venen 90% verschlossen. Die differenzierte Analyse ergab, dass die partiellen (P) und vollständigen (V) Rezidive bei längeren Applikationszeiten signifikant seltener auftraten, wobei die Häufigkeit der vollständigen Rezidive stärker als die der partiellen abnahm: lag die Gesamtrezidivrate bei einer Applikationszeit < 1 s/cm noch bei 22% (P = 10%, V = 12%), sank sie bei Applikationszeiten zwischen 1,0 und 1,4 s/cm bereits auf 9% (P = 6%, V = 3%) und lag oberhalb von 1,4 s/cm bei lediglich 4% (P = 3%, V = 1%). Gemäß der subjektiven Schmerzbewertung auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0 bis 10 (entsprechend keine bis stärkste vorstellbare Schmerzen) hatten bereits am ersten Tag nach der Behandlung 74% der Befragten nur noch geringe oder gar keine Schmerzen (VAS 0–2). Dieses allgemein geringe subjektive Schmerzempfinden nahm bei den folgenden Nachsorgeuntersuchungen weiter ab, und bei der Halbjahresnachsorge gaben 99% der Patienten einen VAS-Wert von 0 an. Nahezu alle Patienten (> 99%) waren mit der Behandlung zufrieden und würden diese weiterempfehlen. Schlussfolgerung: Bei gleicher Leistungseinstellung kann bereits eine geringfügige Verlängerung der Applikationszeit auf über 1,4 s/cm die Rezidivrate deutlich reduzieren. Insgesamt verdeutlicht die noch laufende BRITTIV-Studie das Potential der RFITT für ihren Einsatz im phlebologischen Bereich: die räumlich definierte Obliteration von insuffizienten Stammvenen bei insgesamt moderaten Therapienebenwirkungen und überzeugenden Ergebnissen. Stichworte
Stammvarikose, Reflux, Endovenöse Radiofrequenztherapie, RFITT