Sind Kompressionsstrümpfe zur Thromboseprophylaxe in der Allgemeinchirurgie noch erforderlich?
S. L. Schulz1, B. Stechemesser2, U. Seeberger1, S. Müller1, D. Andresen1, U. Baer2
Departments of 1Internal Medicine, 2General Surgery, Vivantes Medical Center Am Urban, Berlin, Germany
Zusammenfassung
Hintergrund: Aktuelle Leitlinien zum Thema Thromboseprophlyaxe empfehlen nach wie vor den Einsatz von Thrombose prophylaxestrümpfen zusätzlich zu niedermolekularen Heparinen (NMH). Fast alle Studien, die einen Nutzen dieser Strümpfe aufgezeigt haben, sind vor der Einführung der NMH durchgeführt worden. Patienten, Methoden: Wir untersuchten die Inzidenz von symptomatischen Lungenarterienembolien und Beinvenenthrombosen bei Patienten einer allgemeinchirurgischen Abteilung über je zwei Jahre mit unterschiedlichen Prophylaxe-Schemata: Während der ersten 24 Monate (Gruppe A) erfolgte die Thromboseprophylaxe mit NMH und Kompressionsstrümpfen; während der zweiten 24 Monate (Gruppe B) wurde nur NMH eingesetzt. Ergebnisse: In Gruppe A wurden 3181 Patienten behandelt mit insgesamt 3050 Operationen; in Gruppe B 2989 Patienten mit insgesamt 2911 Operationen. 82,5% der Patienten in Gruppe A und 84% in Gruppe B erhielten Thromboseprophylaxe (Kompressionstrümpfe und NMH in A, nur NMH in B). 44 Patienten in Gruppe A und 47 in Gruppe B entwickelten Symptome einer Beinvenenthrombose oder einer Lungenarterienembolie. Mit den weiteren Untersuchungen ließ sich in Gruppe A bei sieben Patienten und in Gruppe B bei fünf Patienten die Diagnose sichern. Schlussfolgerung: Mit einem einfachen aber strikt eingehaltenen Thromboseprophylaxeregime unter Verwendung von NMH läßt sich die Inzidenz symptomatischer Beinvenenthrombosen und Lungenarterienembolien in einer chirurgischen Abteilung sehr gering halten. Der Einsatz von Thromboseprophylaxestrümpfen bringt unter diesen Voraussetzungen keinen zusätzlichen Nutzen. Stichworte
Lungenembolie, Kompressionsstrümpfe, venöse Thromboembolie, niedermolekulare Heparine, VTE-Prophylaxe