Die Antistase, ein vernachlässigtes Therapie-prinzip bei der tiefen Beinvenenthrombose*
H. Partsch
Wilhelminenspital, Wien, Österreich
Zusammenfassung
Antikoagulation ist die Basis der konservativen Behand-lungder tiefen Venenthrombose (TVT). Die phlebogra-phischenErgebnisse mit konventionellen intravenösenInfusionen von unfraktioniertem Heparin, die Bettruheerforderten, waren nicht sehr zufriedenstellend, konntenaber durch die Einführung von niedermolekularen Hepa-rinen(NMH) verbessert werden. NMH werden subkutanverabreicht. Die Bettruhe kann entfallen, sogar eineHeimtherapie wird möglich. Die besseren Ergebnissesind wohl auch durch die frühe Mobiliserung der Patien-tenentsprechend den Prinzipien der Antistase zu er-klären.Eine ambulatorische Behandlung der proximalenTVT mit NMH und Kompression führt nicht zu einem er-höhtenRisiko von klinisch relevanten Lungenembolien.Gehübungen mit guter Kompression (Verbände oderKompressionsstrümpfe) bewirken eine raschere und ef-fektivereReduktion von Schmerzen und Schwellung alsBettruhe.Wenn ein TVT-Patient kommt, liegen sehr häufig szinti-graphischnachweisbare Lungenembolien vor, die meis-tensklinisch stumm sind. Unter therapeutischer NMH-Dosierung,fester Kompression und Gehübungen sindneue Pulmonalembolien selten. Die Inzidenz einer tödli-chenPulmonalembolie betrug 3 von 1289 bei so be-handelten,konsekutiven Patienten. Zusätzliche antistati-scheMaßnahmen zur Antikoagulation ergeben bessereResultate als alleinige Antikoagulation, ohne dabei dieGefahr einer gefährlichen Lungenembolie zu erhöhen.Deshalb sollten mobile TVT-Patienten exakt antikoagu-liertwerden (in der Initialphase bevorzugt beginnendmit NMH) und mit guter Beinkompression angehaltenwerden, möglichst viel zu gehen, unabhängig davon, obsie zu Hause oder im Krankenhaus behandelt werden. Stichworte
Lungenembolie, Thrombose, Antistase, Antikoagulation, NMH