Fatigue bei Krebserkrankungen - Interview mit Prof. Dr. Heim und Prof. Dr. Weis

Prof. Heim

Prof. Weis

Oft nicht erkannt oder zu wenig beachtet: Fatigue bei Krebspatienten. Dabei ist die tumorassoziierte ausgeprägte Erschöpfung eine der häufigsten und besonders belastenden Begleiterscheinungen der Tumorerkrankung und -therapie. Ihr chronischer Verlauf reduziert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich, kann zu verminderter Therapietreue und zum Abbruch der Behandlung führen, da Fatigue von Patienten oft als Fortschreiten der Krebserkrankung fehlinterpretiert wird. Auch die soziale und berufliche Reintegration wird häufig beeinträchtigt.

Prof. Dr. Heim und Prof. Dr. Weis geben in ihrem Buch Opens external link in new window„Fatigue bei Krebserkrankungen" u.a. Hilfestellungen, wie Fatigue rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann. Im Kurzinterview haben wir Ihnen 3 Fragen dazu gestellt.

 

Wie häufig tritt tumorassoziierte Fatigue Ihrer Erfahrung nach auf? Zu welchem Zeitpunkt der Tumorerkrankung ist sie am Wahrscheinlichsten?

Heim: Die Häufigkeit der Tumorfatigue ist abhängig vom Zeitpunkt im Verlauf der Tumorkrankheit, der Tumordiagnose, dem Stadium, der Therapie und den verwendeten Messmethoden. Auch fehlen noch allgemein anerkannte Methoden zur Diagnosestellung und die Schwellenwerte der Messinstrumente sind nicht eindeutig definiert.

Weis: Am häufigsten ist die tumorassoziierte Fatigue unter Chemo- und /oder Strahlentherapie bei ca. 60 – 80% aller Patienten zu beobachten. Neben der unter Behandlung auftretenden Fatigue kann es auch zu Fatigue als Langzeit- oder Spätfolge kommen. Die in der Literatur berichteten Prävalenzzahlen schwanken zwischen 20 und 30%.

Heim: Insbesondere bei Patienten mit malignen Lymphomen und nach hämatologischer Stammzelltransplantation ist oft noch Jahre nach Abschluss der Therapie in 25-30% eine chronische Fatigue festzustellen.

Wie erkennt der behandelnde Arzt Fatigue bei seinem Patienten?


Heim: Die wichtigste Maßnahme zur Diagnose einer tumorassoziierten Fatigue ist eine ausführliche Anamnese, in der gezielt die Fatigue und ihre Auswirkung auf das Befinden erfragt wird. Hierzu kann der Anamneseleitfaden aus unserem Buch „Fatigue bei Krebserkrankungen“ verwendet werden, der als Handout für Therapeuten via Download beim Verlag zur Verfügung steht. Ergänzend kann auch ein diagnostisches Interview geführt werden, das die von Cella vorgeschlagenen ICD-10-Kriterien abfragt, um die Diagnose tumorassoziierte Fatigue stellen zu können.


Warum ist es so wichtig, Fatigue zu behandeln?

Heim: Fatigue führt zu einer erheblichen körperlichen, emotionalen und kognitiven Beeinträchtigung, die die Lebensqualität der Betroffenen langfristig vermindern kann.

Weis: Ebenso hat sie zahlreiche sozialmedizinische Auswirkungen. Je früher die Fatigue behandelt wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten.

Heim: Aus diesem Grunde sollten bereits präventiv Maßnahmen eingeleitet werden, ein Fatigue-Screening im Verlauf erfolgen und frühzeitig eine gezielte Behandlung erfolgen.

                                                             Das Interview führte Stefanie Engelfried

Pressekontakt:
Stefanie Engelfried
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Über den Schattauer Verlag
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