„Wie viel Störung ist normal?“

9. Internationaler Kongress über die Theorie und Therapie von Persönlichkeitsstörungen geht der Frage nach: Was ist eine gestörte Persönlichkeit?

Der soeben wieder aufgenommene Prozess um Gustl Mollath, der nach dem ersten Urteil zwangsweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, wirft einige unbequeme Fragen auf. Eine davon trifft genau den Titel des diesjährigen IKTTP-Kongresses: „Wie viel Störung ist normal?“ Ab wann können Psychiater und Psychotherapeuten wissenschaftlich begründet von einer „gestörten Persönlichkeit“ sprechen?
Mit dieser komplexen Fragestellung und einer Fülle weiterer Themen aus der Praxis der Psychowissenschaften befasste sich der 9. Internationale Kongress über die Theorie und Therapie von Persönlichkeitsstörungen (IKTTP), der vom 4.-6. Juli in München stattfand.


Weit über 600 Teilnehmer verzeichnete der 9. IKTTP am ersten Juli-Wochenende an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilian-Universität München. Insgesamt 15 Vorträge und 32 Workshops beleuchteten das Thema „Persönlichkeitsstörungen“ von allen Seiten. „Unsere Tagung trägt dazu bei, dass das klinische Konstrukt ‚Persönlichkeitsstörung’, das die beiden Aspekte ‚Persönlichkeit’ und ‚Störung’ enthält, diskutiert wird. Schon seit langem fragt man sich, ob und wie man das medizinische Krankheitsmodell überhaupt auf ‚die Persönlichkeit’ anwenden kann. Dieser Diskussion liegt auch die Frage der Grenzen von ‚Normalität’ menschlichen Verhaltens zu Grunde.“, unterstreicht Prof. Anna Buchheim, Mitglied des Organisationskomitees, Psychoanalytikerin und Professorin für Klinische Psychologie an der Universität Innsbruck die Brisanz des Themas.

Plenumsvorträge stießen auf großes Interesse

Zum Auftakt des Kongresses setzten sich die Plenumsvorträge von Prof. Norman Sartorius, Prof. Allen Frances und Prof. Otto F. Kernberg am Freitag kritisch und auch kontrovers mit der Bandbreite dieser Thematik von der Entwicklung von Klassifikationen psychischer Störungen über die Inflation von Diagnosen bis zur Differenzierung von Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung auseinander. Die Veranstaltungen waren so gut besucht, dass der Platz im Hörsaal nicht ausreichte und die Zuhörer teilweise auf die Stufen auswichen oder die Direktübertragung auf die Videoleinwand im Foyer nutzten.

Erstmals in der Geschichte des Kongresses fand am Freitag zudem eine Pressekonferenz in der Bibliothek der Psychiatrischen Klinik statt. Dr. Wulf Bertram, Psychotherapeut und Mitglied des wissenschaftlichen Organisationskomitees, moderierte eine anregende Gesprächsrunde mit den namhaften Experten Prof. Anna Buchheim (Insbruck), Prof. Peter Falkai (Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München), Prof. Allen Frances (New York/USA), Prof. Sabine Herpertz (Universität Heidelberg), Prof. Otto F. Kernberg(New York/USA) und Prof. Norman Sartorius (Genf).

Persönlichkeitsstörungen – neueste wissenschaftliche Ergebnisse

In den Vorträgen am Samstag und Sonntag wurden die aktuellen klinischen Erfahrungen und neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur Diagnostik und Therapie von Persönlichkeitsstörungen von renommierten Referenten und Referentinnen berichtet und diskutiert. Die 32 angebotenen Workshops waren überwiegend ausgebucht und bildeten einen hochkarätigen, klinisch orientierter Bestandteil des Kongresses zur Fortbildung von Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern.

Am Samstag luden die Veranstalter zu einem geselligen Abend in Münchens ältestem Konzertcafé mit musikalischer Untermalung durch die Opens external link in new windowBraintertainers – einem Jazztrio, das sich aus den Ärzten und Psychotherapeuten Manfred Spitzer (der dieses Mal mit der Delegation von Angela Merkel in China weilte und daher von Claas Lahmann virtuos vertreten wurde), Wulf Bertram und Joram Ronel rekrutiert. Zur Abendveranstaltung, die bis auf den letzten Platz ausgebucht war, strömten insgesamt 130 Gäste ins Mariandl.

Der international ein hohes Ansehen genießende Psychiater und Psychoanalytiker Prof. Otto F. Kernberg (Nestor der Persönlichkeitsforschung und -therapie und Begründer der Borderline-Forschung) blieb seinem Ruf als „Publikumsmagnet“ treu und rundete den Kongress am Sonntag Nachmittag mit seinem bereits traditionellen „KernbergSpecial“ ab, das sich diesmal um die Diagnosen „Borderline-Störung und Pathologischer Narzissmus“ drehte.

 


Der IKTTP wurde von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München, der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München, dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie München, der Psychosomatischen Klinik Windach und dem Schattauer Verlag, Stuttgart, veranstaltet.

Impressionen vom IKTTP

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Über den Schattauer Verlag
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