Suizidbeihilfe – Ärztlich assistierter Suizid

Selbsttötungen und die Rolle von Ärzten beim Todeswunsch ihrer Patienten werden – ausgelöst durch aktuelle Geschehnisse (Absturz der Germanwings-Maschine im März, Wachkomapatient in Frankreich) – immer stärker in den Medien aufgegriffen. Die Schattauer Fachzeitschrift „Opens external link in new windowNervenheilkunde“ beschäftigt sich in der Schwerpunktausgabe 6/15 ausführlich mit dem Thema „Suizid“ und diskutiert insbesondere, welche Verantwortung dabei den Psychiatern zukommt.

Mehr als 800.000 Menschen nehmen sich weltweit jährlich das Leben (Weltgesundheitsorganisation), zirka 125.000 Menschen allein in Europa. Fast 80% davon sind Männer. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich etwa zehn- bis vierzigmal so viele Suizidversuche wie vollendete Suizide ereignen.
In Deutschland ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Selbstmorde zurückgegangen. Laut Statistischem Bundesamt ereigneten sich 9.890 (2012) Suizide, davon waren 7.287 Männer und 2.603 Frauen betroffen.

Damit war die Zahl der Selbsttötungen in Deutschland höher als die Gesamtsumme der Todesfälle durch Verkehrsunfälle, Morde, Drogen und AIDS. Erhängen und Vergiften sind die häufigsten Methoden. Mit zunehmendem Lebensalter nehmen die Suizidraten zu. Vielleicht auch deshalb, weil sich dann zunehmend Erkrankungen einstellen, bei denen es weniger gute Heilungsperspektiven gibt.

Gesellschaftliche und gesetzliche Herausforderung

Suizid stellt unsere Gesellschaft vor eine Herausforderung, der Wunsch danach bringt Familie, Freunde und Ärzte an moralische Grenzen. Es gibt Staaten (beispielsweise fast alle islamisch geprägten Länder, Nordkorea, bis Ende 2014 Indien), in denen jedes suizidale Handeln gesetzlich verboten ist. Eine andere Position vertreten beispielsweise die Niederlande mit Ihrem „Gesetz zur Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und Hilfe bei der Selbsttötung“ (Artikel 2) von 2002.

Die freie Selbstbestimmung des Menschen und die modernen Möglichkeiten der Medizin haben die Einstellung zur Suizidassistenz nicht nur auf internationaler Ebene ins Gespräch gebracht. Das für die aktuelle Legislaturperiode vorgesehene und mit einer Orientierungsdebatte des Deutschen Bundestages im November 2014 begonnene Gesetzgebungsverfahren zur ärztlich assistierten Selbsttötung, wird von einer breiten und offenen gesellschaftlichen Diskussion mit großem Medienecho begleitet.


Ethischer Widerspruch

Auf den ersten Blick besteht ein unauflösbarer ethischer Widerspruch zwischen der ärztlichen Aufgabe der Lebenserhaltung, Suizidprävention und ärztlich assistierter Selbsttötung. Dr. Jakov Gather (Ruhr-Universität Bochum) beleuchtet diesen in seinem Fachbeitrag. Dabei betont er die Unterschiede zwischen den häufigeren, von selbstbestimmungsunfähigen Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen bzw. Menschen in akuten psychosozialen Krisensituationen begangen Suiziden und den wesentlich selteneren, von selbstbestimmungsfähigen Patienten angesichts schwerer unheilbarer Erkrankungen geäußerten Selbsttötungsabsichten.

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Weitere Fachbeiträge der „Nervenheilkunde“ 6/15  zum Thema sind:

  • Was versteht man unter Suizidalität. Begriffsbestimmung, Formen, Diagnostik, Epidemiologie und Risikofaktoren  (B. Schneider)
  • Die Sprache der Sterbehilfe (A. Finzen)
  • Organisierte Suizidbeihilfe und ärztlich assistierter Suizid. Eine ethische Perspektive (G. Hohendorf, F. Bruns)
  •  Der suizidale Sterbende. Eine Kasuistik aus Palliativmedizin, Geriatrie und Psychosomatik (R. Lindner)
  • Beihilfe zum Suizid. Die internationale Entwicklung (H. Wedler)
  • Opens external link in new windowSuizidbeihilfe bzw. ärztlich assistierter Suizid. Eine psychiatrische Position (M. Wolfersdorf)

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Buchtipps zum Thema

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Mit einem Geleitwort von Wilhelm Vossenkuhl
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978-3-7945-6669-3 (eBook PDF) 

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lles / Jendreyschak / Armgart / Juckel
Suizide im beruflichen Kontext
Bewältigungsstrategien für Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Rettungsdienst
Mit einem Geleitwort von Manfred Wolfersdorf
2015. 198 Seiten, 5 Abb., 6 Tab., kart.
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978-3-7945-6899-4 (eBook PDF)

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Met een Nederlandse inleiding Including English summary
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Über den Schattauer Verlag
Der Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften (gegründet 1949), Stuttgart, ist ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen mit 60 MitarbeiterInnen. Zu den Standbeinen des Verlages zählen das renommierte Fachbuchprogramm (weltweite Anerkennung genießen dabei bspw. die Farbatlanten, u.a. Rohens „Anatomie des Menschen“, bereits in 20 Sprachen erschienen), 21 nationale und internationale Fachzeitschriften (die auflagenstärkste Zeitschrift ist die „Nervenheilkunde“, eine Zeitschrift aus dem Bereich der Neurowissenschaften) sowie die Kongressorganisation Schattauer Convention mit Fortbildungs-Seminaren für Human- und Veterinärmediziner. Ein mit dem Schattauer Verlag verbundenes Unternehmen ist der Psychiatrie Verlag, Köln.