Welches Medikament „passt“ am besten zu meinem individuellen Patienten?

Prof. Martin Smollich (Hochschullehrer für Klinische Pharmakologie an der Mathias Hochschule Rheine, Mitautor amOpens external link in new window „Stille“, dem renommierten Standardwerk der Antibiotika-Therapie) und Dr. Martin Scheel liefern mit ihrem Pharmako-Guide „Opens external link in new windowArzneistoffe – die TOP 100“ eine wertvolle Entscheidungshilfe für den Praxisalltag. Im Interview verrät Martin Smollich wieso.

 

Warum beschränken Sie sich in Ihrem hauptsächlich an Allgemeinmediziner gerichteten Werk auf 100 Wirkstoffe? Es gibt doch bedeutend mehr...

Prof. Martin Smollich

Smollich: Die allgemeinmedizinische Praxis zeichnet sich durch einen Generalismus aus, bei der nicht einzelne Organe oder isolierte Therapieziele, sondern im Sinne einer „personenzentrierten Medizin“ der ganze Mensch im Vordergrund steht. Ähnlich heterogen wie die allgemeinmedizinisch anzutreffenden Krankheitsbilder ist daher auch die entsprechende Arzneimitteltherapie. Aufgrund der rasanten wissenschaftlichen Entwicklungen ergibt sich hieraus aber das Problem, dass ehrlicherweise nicht mehr die Arzneimitteltherapie jeder Indikation in ihrer gesamten Komplexität überblickt werden kann. Insbesondere die eigentlich erforderliche, kontinuierliche Beschäftigung mit einer sich fortlaufend verändernden Studienlage ist im Alltag praktisch kaum möglich.

Deshalb haben wir uns bewusst auf die 100 verordnungshäufigsten Wirkstoffe beschränkt, da diese bereits einen Großteil der allgemeinmedizinischen Praxis abdecken. Im Sinne von „Relevanz statt Redundanz“ halte ich es für wichtiger, ausgewählte Wirkstoffe gründlich zu kennen und gezielt einsetzen zu können, als sich in der Breite von Me-too-Substanzen zu verlieren. Insofern stellt diese an der Verordnungshäufigkeit orientierte Wirkstoffauswahl eine praxisnahe Unterstützung durch „Weniger ist mehr“ dar. Ich gehe davon aus, dass diese bewusste Begrenzung einen höheren Praxiswert besitzt als die detaillierteste, aber ungewichtete Auflistung sämtlicher Wirkstoffe.

 

Was ist bei der Medikamentenverordnung in der hausärztlichen Praxis von besonderem Interesse oder auch besonders heikel? Und wie gehen Sie in Ihrem Buch darauf ein?

Smollich: Eine große Rolle spielen hier sicherlich Aspekte wie Arzneimittelneben- und Wechselwirkungen oder die Anpassung der Therapie an bestimmte Patientengruppen. Auch hier haben wir uns dazu entschieden, nicht auf Vollständigkeit, sondern auf Relevanz zu setzen: Es werden nicht alle Neben- oder Wechselwirkungen aufgelistet, sondern herausgestellt werden die sehr häufigen und die sehr relevanten. Dies wird immer ergänzt mit praktischen Hinweisen zum Management möglicher Neben- und Wechselwirkungen. Wichtig sind auch die wirkstoffspezifischen Einnahmeempfehlungen, die direkt an den jeweiligen Patienten weitergeben werden können.

Ebenfalls besonders heikel ist m. E. nach, dass gerade Allgemeinmediziner durch ihre Rolle als Verordner eine hochinteressante Zielgruppe der Pharmaindustrie sind. Daher sind auch die meisten verfügbaren Arzneimittelinformationen oft stark von Herstellerinteressen beeinflusst. Wir wagen daher bei jedem Wirkstoff auch eine industrieunabhängige, evidenzbasierte Bewertung von Wirksamkeit und Nutzen-Risiko-Verhältnis. Es wird also keine bloße Datensammlung präsentiert, sondern die Studiendaten werden nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin beurteilt und eingeordnet. Dabei werden auch Lobbypublikationen eindeutig als solche benannt und kritisch bewertet.

 

Welche Besonderheiten weist Ihr Werk auf, die für den Hausarzt eine tatsächliche, auch spürbare Arbeitserleichterung darstellen?

Eine spürbare Arbeitserleichterung ergibt sich dadurch, dass diese 100 häufigsten Wirkstoffe auch in all ihren Facetten beherrscht und eingesetzt werden können, ohne in der jeweiligen Spezialliteratur recherchieren zu müssen: Ob Anwendung bei polypharmakotherapierten Senioren, niereninsuffizienten Patienten, Schwangeren, Kindern oder Migranten – hier finden sich alle Informationen an einem Ort. Und zwar leitliniengerecht, evidenzbasiert und unabhängig von der Pharmaindustrie.

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Über den Schattauer Verlag
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