Psychoonkologie in der Nachsorge

Interview mit Dr. Carmen E. Hamm

Dr. Hamm

Dr. Carmen E. Hamm (Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe) ist niedergelassene ärztliche Psychotherapeutin in Greifswald, Schwerpunkt Psychoonkologie. Um ihre Krebspatienten bei der Bewältigung von chronischen Belastungen wirksam zu unterstützen, baut sie auf psychoedukative und verhaltenstherapeutische Methoden. Gemeinsam mit Prof. Harald J. Freyberger (Helios Hanseklinikum Stralsund) und Prof. Alfons O. Hamm (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald) hat sie ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Manual zur „Opens external link in new windowPsychoonkologie in der Nachsorge“ veröffentlicht. 

 

Welche konkreten Erleichterungen bietet ihr Manual Onkologen bzw. psychoonkologisch Tätigen bei der Behandlung von Krebspatienten?

Hamm: Das Manual fokussiert auf die Probleme, die Patienten in der onkologischen Nachsorge haben. Es ist bewusst anwendungsorientiert und verzichtet darauf, psychologische Konzepte der Verhaltenstherapie zu wiederholen. Durch die Modularisierung ist es möglich, einzelne Aspekte psychoonkologischer Probleme, wie z.B. Fatigue, kognitive Defizite oder Schlafstörungen heraus zu greifen und mit verhaltenstherapeutischen Techniken zu behandeln.
Das Manual bietet dafür zahlreiche Beispiele und Übungen. Es ist in weiten Teilen psychoedukativ. Die Patienten erhalten durch die Arbeitsblätter Informationen und Anregungen zu verschiedenen Themen. Sie können diese dann auch selbstständig bearbeiten. 


Was sind ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Fertigkeiten, die Patienten erlernen/verbessern sollten, um mit den krankheitsbedingten Belastungen bestmöglich umgehen zu können?

Hamm: Für Patienten ist es hilfreich zu lernen, wie sie mit intensiven Gefühlen und quälenden Sorgen umgehen können. Sie sollten erfahren, wie sie körperliche Anspannung reduzieren können. Wichtig ist auch, Ihnen zu zeigen, wie sie Ressourcen stärken und nutzen können, um die enormen körperlichen, sozialen und emotionalen Herausforderungen  nach einer Krebserkrankung zu meistern.


Sie widmen Brustkrebspatientinnen ein eigenes Kapitel. Was sollten Therapeuten bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen besonders beachten?

Hamm: Brustkrebspatientinnen suchen von allen Krebspatienten am häufigsten psychoonkologische Unterstützung. Die onkologischen Therapien sind sehr belastend, dauern durch Antikörper- und Antihormontherapien lange an. Die Patienten sind im Durchschnitt jünger und wünschen sich aktive Strategien, um mit verminderter Leistungsfähigkeit und Rezidivängsten umgehen zu können. Wie bei anderen jüngeren Krebspatienten spielen Themen wie Beruf, Familie und Partnerschaft eine wichtige Rolle. Sexualität und Körperbild sind ebenfalls wichtige Aspekte.

Das Interview führte Stefanie Engelfried

Pressekontakt:
Stefanie Engelfried
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