Erfolgreich selbstständig in der Arztpraxis


Dr. Matthias Frank gibt im Interview Tipps für die Praxisgründung und das Praxismanagement

Dr. Matthias Frank

Sie wollen sich niederlassen und eine eigene Praxis gründen oder übernehmen? Schattauer Autor Dr. Matthias Frank verrät, auf welche Stolpersteine Sie achten müssen und wie Sie Ihre Praxis zukunftsfähig ausrichten.

Dr. Frank ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit dem Schwerpunkt Akupunktur, Naturheilverfahren und Rehabilitationswesen und seit 1998 in eigener Arztpraxis in Karlsruhe niedergelassen. Im Schattauer Verlag hat er zum Thema das Buch Opens external link in new window"Praxisgründung und Praxismanagement" veröffentlicht

Wieso ist es bei Hausärzten besonders wichtig, für die eigene Praxis ein spezielles Profil zu definieren und nach außen zu kommunizieren?

Viele Arztpraxen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich im medizinischen Angebot kaum unterscheiden und ihre Leistungen weitgehend austauschbar sind. Modernste medizinische Technik oder ein besonderer Patientenservice sind keine Unterscheidungsmerkmale, sondern werden von vielen Patienten als Standard erwartet. Grundlage für eine nachhaltige Differenzierung sind vor allem die Kompetenzen des Arztes und das Leitbild der Praxis. Diese sind nicht nur Basis für die Einzigartigkeit der Praxis sondern auch Ausgangspunkt für das Praxisprofil.

Die Positionierung einer Praxis ist jedoch weit mehr als nur eine Spezialisierung – sie ist entscheidend für das, was in den Köpfen der Patienten passiert.
Arztpraxen haben dann die größten Chancen, wenn es ihnen gelingt herauszuarbeiten, weshalb sie einzigartig und anders als ihre Wettbewerber sind; und wenn sie auch nach außen hin sichtbar machen können, was sie von anderen Arztpraxen unterscheidet.

Was zunächst vielleicht trivial klingt, ist in Wirklichkeit fundamental für den Erfolg. Das Wichtigste hierbei ist zu erkennen, dass eine zukunftsfähige und wirtschaftlich erfolgreiche Arztpraxis nicht ohne engagierten Einsatz des gesamten Teams und den besonderen Kompetenzen des Arztes funktioniert. Das Erscheinungsbild und die Abläufe in der Praxis müssen den Patienten das Gefühl absoluter Kompetenz und bester medizinischer Qualität vermitteln. Die ärztlichen Leistungen, die besonderen Kenntnisse und Kompetenzen sollten – mit entsprechenden Marketingmaßnahmen – konsequent kommuniziert werden, sowohl für die Neupatientenakquisition als auch für die Patientenbindung – tue Gutes und rede darüber. Damit ergibt sich eine klare Aufgabenstellung für den Praxisinhaber: Differenzierung, Alleinstellung, Profilbildung. 

Was sind Ihrer Erfahrung nach die drei häufigsten Fehler bei Praxis-Gründung und Management und wie können diese vermieden werden?

Das Angebot scheint verlockend, der Novize freut sich über seine Entscheidung zur Niederlassung – und blendet die Schattenseiten völlig aus. Der junge Arzt hat bereits im Vorfeld versäumt systematisch zu klären, ob er für diese Aufgabe auf unbekanntem Terrain wirklich bereit ist. Als niedergelassener Arzt verfängt er sich dann schließlich in einem Geflecht bislang unbekannter Rollen und Erwartungen, Abrechnungsvorschriften, gesetzlichen Vorgaben und Patientendruck. Was die Sache zusätzlich erschwert, kaum jemand legt für ihn die Karten offen auf den Tisch. So kommt es bisweilen zu Irrtümern, Fehlschlüssen, Enttäuschungen, Konflikten und Überforderung.

Damit dem jungen Arzt nicht ähnliche unangenehme Dinge widerfahren, sollte er seine Niederlassung gut vorbereiten und analysieren, welche Anforderungen die neue Aufgabe an ihn stellt und was er tun muss, um diesen gerecht zu werden.

  1. Um die Risiken zu minimieren ist es wichtig, dass jeder niedergelassene Arzt die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge einer Arztpraxis kennt. Wer als Arzt in der eigenen Praxis arbeitet, benötigt demnach nicht nur medizinische Kompetenzen, sondern er muss sich auch permanent mit betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragestellungen auseinandersetzen und darf sein „Unternehmen“ zu keinem Zeitpunkt aus dem Blickwinkel verlieren. Wichtig ist die Kenntnis kaufmännischer Grundbegriffe wie Kosten und Ausgaben, Erlöse und Einnahmen, Investitionen und Abschreibungen, Gewinn und Liquidität. Auch der Zusammenhang zwischen diesen Begriffen sollte ihm bekannt sein.
  2. In Zeiten ständiger Reformen und zunehmend unübersichtlicher Regelungen zum ärztlichen Honorar ist es für den Praxisinhaber darüber hinaus besonders wichtig, permanent auf dem Laufenden zu bleiben und die unterschiedlichen Honorarsystematiken einer Arztpraxis zu verstehen.
  3. Rechtliche, kaufmännische und organisatorische Grundkenntnisse gehören zum notwendigen Wissen jedes Unternehmers und somit auch des niedergelassenen Arztes. Mit diesem Wissen kann der Arzt dafür sorgen, dass er die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen fällt. Deshalb sollte er sich mit dem wichtigsten Know-how wappnen, bevor er sich in der eigenen Praxis niederlässt.

Neue Positionen und Aufgaben sind Anreize, die unser Berufsleben attraktiv und spannend machen. Doch gerade solche Herausforderungen verlangen eine klare und strukturierte Vorbereitung, damit sie nicht zu Frustration und Misserfolg führen.

Was ist das Geheimnis eines guten Praxis-Teams?

Die Mitarbeiter einer Arztpraxis sind nicht einfach ein weiterer Baustein der Organisation, auch wenn dies sehr häufig so gesehen und gehandhabt wird. Das Praxisteam ist vielmehr die Basis optimaler Patientenversorgung – mit allen Stärken und Schwächen.
Im Allgemeinen werden Praxisteams anhand sich ergänzender Kompetenzen zusammengestellt: wer ist kommunikativ, verbindlich und freundlich und für die Tätigkeit an der Rezeption besonders geeignet? Wer hat die Fähigkeit, als leitende Mitarbeiterin das Team zu führen?  Wer hat ein besonderes Gespür für die Patienten? Das sind nur einige der Kompetenzbereiche, die ein Praxisteam zusätzlich zur medizinischen Qualifikation vorweisen sollte.

Ein Team braucht aber auch Führung. Nur dann erreicht und hält es seine Bestform. Die Grundlagen hierfür bilden klare Regeln und Strukturen. Ein wichtiges Ziel ist, einen organisatorischen Rahmen zu schaffen, in dem die Mitarbeiter effektiv zusammenarbeiten können. Dazu gehören Spielregeln für die Zusammenarbeit, aber auch regelmäßig stattfindende Teambesprechungen.
Ob jemand gerne und engagiert in einer Arztpraxis arbeitet, hängt auch vom Teamgedanken ab der in dieser Praxis herrscht. Es liegt in Verantwortung des Praxisinhabers, ob dieser konstruktiv blüht oder verkümmert. 

Pressekontakt:
Stefanie Engelfried
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Über den Schattauer Verlag
Der Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften (gegründet 1949), Stuttgart, ist ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen mit 60 MitarbeiterInnen. Zu den Standbeinen des Verlages zählen das renommierte Fachbuchprogramm (weltweite Anerkennung genießen dabei bspw. die Farbatlanten, u.a. Rohens „Anatomie des Menschen“, bereits in 20 Sprachen erschienen), 21 nationale und internationale Fachzeitschriften (die auflagenstärkste Zeitschrift ist die „Nervenheilkunde“, eine Zeitschrift aus dem Bereich der Neurowissenschaften) sowie die Kongressorganisation Schattauer Convention mit Fortbildungs-Seminaren für Human- und Veterinärmediziner. Ein mit dem Schattauer Verlag verbundenes Unternehmen ist der Psychiatrie Verlag, Köln.