Yoga und Schlaf


Interview mit Elisabeth Baender-Michalska und Rolf Baender

Deutschland schläft zu wenig - und das in den wenigsten Fällen freiwillig. 5-6% der deutschen Bevölkerung leidet an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen.
In unserem Interview verraten Elisabeth Baender-Michalska (Dipl.-Sportlehrerin und Yogalehrerin) und Rolf Baender (praktiziert seit über 20 Jahren Yoga) wie Yoga sich positiv auf den Schlaf auswirkt.

Von den beiden ist im Schattauer Verlag das Buch Opens external link in new window"Yoga & Embodiment. Stress und Schmerz bewältigen" erschienen.

Rolf Baender

Gesunder Schlaf ist für unsere Regeneration unerlässlich. Wie kann Yoga bei Schlafstörungen helfen?

Baender: Ein- und Durchschlafstörungen sind häufig psychophysisch bedingt und ein Hinweis auf psychische Überlastungszustände. Sorgen, unverarbeitete Erfahrungen, nicht bewältigte Aufgaben und Hoffnungen bedrohen die beängstigende Zukunft. Chronische psychosoziale Stressoren führen zur Übererregbarkeit neuroendokriner Stressreaktionssysteme. Die Wachsamkeit und der Sympathikotonus sind verstärkt. Yoga kann mit seinen Körper-, Atem- und Meditationsübungen als multimodale integrative Intervention verstanden werden, die den Parasympathikus aktiviert. Der gesamte Organismus wird zur Ruhe geführt. Das regelmäßige Üben der Yogatechniken hilft uns, die Körperwahrnehmung zu verbessern, zu mehr Ruhe und Gelassenheit zu finden und damit auch unseren Schlaf positiv zu beeinflussen.

Elisabeth Baender-Michalska

Warum sollten Therapeuten bei der Behandlung von Schlafstörungen Yoga als Methode mit einbeziehen?

Baender-Michalska: Die Forschungen zum Thema  Embodiment zeigen, dass Körper und Geist sich gegenseitig beeinflussen. Die geistige Verfassung des Menschen wirkt sich auf seinen Körper aus  etwa Gestik, Mimik und Körperhaltung. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich. Der Körper kann das psychische Erleben und somit auch den Geist beeinflussen.
Der Geist ist im Körper eingebettet über neuronale Prozesse, Muskelspannungen, Körperhaltungen, Bauchgefühle usw. Yoga entspannt die Muskeln und reguliert den Atem. Atemachtsamkeit, Konzentrationsübungen und Meditation beruhigen den Geist und verhelfen damit zu einem besseren Schlaf. Praktizierende nehmen sich selbst besser wahr, steigern ihre Stimmung und reduzieren grüblerische Gedanken.

Yoga ist deshalb so effektiv, weil Menschen über körperliche Erfahrungen meist leichter zu ihren Gefühlen finden als über Sprache. Somit ist eine regelmäßige Yogapraxis ein wirksamer Weg, die mentale und physische Gesundheit zu fördern und die Selbstregulationsfähigkeit wiederzugewinnen. Yoga kann neben anderen Therapien komplementär eingesetzt werden.


Haben Sie konkrete Tipps für Personen mit Schlafstörungen?


Baender-Michalska: Zur Förderungen des Schlafs sind besonders einfache Yogaübungen zu empfehlen, die - falls am Abend ausgeführt - nicht zusätzlich anregen. Kraftorientierte Übungen sollten daher eher gemieden werden.

1. Aufrechte Haltung üben
Geisteshaltung und Körperhaltung bedingen sich. Um aufrecht durchs Leben zu gehen, sollten wir eine entspannte aufrechte Körperhaltung einnehmen. Sie wirkt sich auf unseren Geist ähnlich aus wie ein gutes Antidepressivum.
a)    Im Stehen oder sitzen: den Rücken rund machen, Schultern nach vorne ziehen und Kopf hängen lassen.
b)    Sich wieder aufrichten, aus den Wirbeln der Wirbelsäule nach oben Richtung Decke wachsen, mit aufrechtem Kopf gerade in den Raum schauen, Gesicht entspannen und lächeln.

Spüren Sie, wie die gebeugte und aufrechte Körperhaltung auf Sie körperlich und mental wirken.

2. Atemübung
Wenn wir zur Ruhe kommen wollen, können wir über die Bauchatmung den Parasympathikus stimulieren.
Im Stehen oder Sitzen - besser im Liegen Hände auf den Bauch legen und entspannt in den Bauch atmen. Das Zwerchfell drückt beim Einatmen nach unten und hebt den Bauch nach außen. Beim Ausatmen senkt sich der Bauch wieder. Der Brustkorb bleibt beim Ein- und Ausatmen ruhig. Das Ausatmen sollte immer doppelt so lange dauern wie das Einatmen.

Haltungs- und Atemübung lieber öfter am Tag kurz üben als nur hin und wieder lang.


Das Interview führte Stefanie Engelfried, Stuttgart

Pressekontakt:
Stefanie Engelfried
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Schattauer GmbH
Verlag für Medizin und Naturwissenschaften
Hölderlinstrasse 3
70174 Stuttgart
Tel: 0711-22987-20
Fax: 0711-22987-85
E-Mail: Opens window for sending emailstefanie.engelfried@schattauer.de

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Über den Schattauer Verlag
Der Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften (gegründet 1949), Stuttgart, ist ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen mit 60 MitarbeiterInnen. Zu den Standbeinen des Verlages zählen das renommierte Fachbuchprogramm (weltweite Anerkennung genießen dabei bspw. die Farbatlanten, u.a. Rohens „Anatomie des Menschen“, bereits in 20 Sprachen erschienen), 21 nationale und internationale Fachzeitschriften (die auflagenstärkste Zeitschrift ist die „Nervenheilkunde“, eine Zeitschrift aus dem Bereich der Neurowissenschaften) sowie die Kongressorganisation Schattauer Convention mit Fortbildungs-Seminaren für Human- und Veterinärmediziner. Ein mit dem Schattauer Verlag verbundenes Unternehmen ist der Psychiatrie Verlag, Köln.

Dieses Interview ist auch in unserer Fachzeitschrift SCHLAF, Ausgabe 3/15 erschienen.

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