Seelische Gesundheit braucht Öffentlichkeit, Pflege und Humor

 

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde Ende letzten Jahres in Berlin, hielt der bekannte Komiker, Autor und Moderator Dr. med. Eckart von Hirschhausen eine humorvolle Lobrede auf die Bemühungen der Fachärzte und Therapeuten um die seelische Gesundheit ihrer Patienten. Die Rede ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Die Psychiatrie“ (Schattauer Verlag, 2017) nachzulesen, deren Themenschwerpunkt „Depression“ ist. 

„Psychiater retten Leben. Jeden Tag. Ohne Herzkatheter, ohne Transplantation, ohne spektakuläre Interventionen erreichen sie Spektakuläres. Warum dankt es ihnen so selten jemand?“, fragt Eckart von Hirschhausen. Gründe dafür sind seiner Meinung nach unter anderem die Klischees über Psychiatrie und die Ängste vor dem „Für verrückt erklärt werden“.

Hirschhausen ist überzeugt, dass Öffentlichkeit, Pflege und Humor wichtig für den Status der seelischen Gesundheit sind. „Mein erstes Krankenpflegepraktikum machte ich auf einer psychiatrischen Aufnahmestation in der Nähe meiner ehemaligen Schule. Mir wurde klar: Psychose, Depression, Sucht und Suizid schlagen direkt in meiner Nachbarschaft zu, überall. Mir wurde klar, wie häufig psychiatrische Krisen sind, und dass sie jede Gesellschaftsschicht in jedem Alter treffen können“, so Hirschhausen weiter. 

Suizid zum Beispiel sei bis heute ein Tabu. Dank besserer Aufklärung und Behandlung der Erkrankungen, die mitunter bis zum Selbstmord führen, ist die Anzahl der Suizide in den letzten 30 Jahren von jährlich 18 000 auf 10 000 gesunken. „8000 Menschenleben gerettet – jedes Jahr – darauf könnte man stolz sein. Andere Fächer hätten das gefeiert; oder hab` ich da die Party verpasst?“, fragte Hirschhausen die anwesenden Psychiater und Psychotherapeuten. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, dass mehr Prominente über Krisen sprechen, die erfolgreich behandelt wurden. „Gute Vorbilder können Leben retten!“

Hirschhausen fordert außerdem, man möge Jugendliche nicht als „psychologische Analphabeten“ ins Leben schicken. „Wieso lernen wir in Deutschland so wenig über das, was einem garantiert einmal passieren wird, nämlich mit einem Menschen in einer akuten Krise zu reden? Ich habe in 13 Jahren Schule viel über Punische Kriege gehört aber nichts über Panikattacken, Psychosen oder Depressionen“, so Hirschhausen.

Natürlich darf bei Hirschhausen der Humor nicht fehlen. Er sagte in seiner Rede deutlich: „Seelische Gesundheit darf auch Spaß machen. Mir fehlt in der ganzen Debatte der Humor. Wir können an den Widersprüchen der Welt verzweifeln, oder wir können darüber lachen. Humor ist stimmungsaufhellend und Resilienz fördernd!“

Die anwesenden Kongressteilnehmer forderte er auf, stolz auf ihre Profession zu sein. „Nehmen Sie sich und Ihre erfolgreich behandelten Patienten mit in die Öffentlichkeit, gehen Sie in die Schulen und behalten Sie Ihren Humor. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Wir brauchen Sie heute – und in Zukunft!“

Eckart von Hirschhausen: Seelische Gesundheit braucht Öffentlichkeit, Pflege und
Humor. Rede im Rahmen des DGPPN-Kongresses 2016. Die Psychiatrie 2017 Vol. 14. Heft 3: 188–191

Mehr zur Zeitschrift: 

„Die Psychiatrie“ ist eine Zeitschrift, die dem Psychiater die Fundamente seines fachärztlichen Handelns dokumentiert, zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Fach auffordert und ihm damit ermöglicht, den persönlichen Standort im komplexen, mehrdimensionalen Raum seiner Wissenschaft und seines Berufsalltags zu finden. 

Weitere Informationen zur Zeitschrift finden Sie Opens external link in new windowhier.

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