Resilienz, Ressourcen- und Bewältigungsstrategien:

Psychologische Behandlung hilft Schmerz-Patienten 

Chronischer Schmerz ist in der Psychologie seit circa 50 Jahren Gegenstand der Forschung. Inzwischen ist klar: Schmerzen können durch psychologische Verfahren nicht zum Verschwinden gebracht werden, aber sie können für Patienten handhabbar werden. Dafür erlernen die Betroffenen Techniken, die den Schmerz in den Hintergrund rücken lassen, so dass er als weniger belastend empfunden wird. Professor Dr. Edgar Geissner, leitender Psychologe an der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee, erläutert in einem Artikel in der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ (Schattauer Verlag), warum die psychologischen Konzepte der Resilienz, des Ressourcenansatzes und der Bewältigung die Schmerzbehandlung wirkungsvoll unterstützen können.

„Schmerzen ‚verschwinden‘ nicht durch Psychologie, aber sie können durch psychologische Verfahren substanziell in den Hintergrund rücken, wodurch Leiden und psychosoziale Beeinträchtigungen reduziert sind“, erklärt Geissner. Der Begriff Resilienz kommt aus der Entwicklungspsychologie und lässt sich auch als seelische Widerstandskraft umschreiben. Er beschreibt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie als Anlass für Entwicklungen zu nutzen, indem Betroffene auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zurückgreifen. Der Resilienzansatz hat zum Ziel, solche Ressourcen zu erarbeiten, zu erkennen und sie zu aktivieren. Dafür setzen sich Patienten wiederholt mit Herausforderungen, in der Schmerzbehandlung also mit ihren Schmerzen, auseinander. Wenn sie diese Situationen erfolgreich bewältigen, erwerben sie neue Fähigkeiten und können Belastungen besser meistern.

Unmittelbar mit dem Resilienzansatz kombinierbar sind die Ressourcenstrategien der klinischen Psychologie und Psychotherapie. Hier wird der Blick nicht auf das Problem, also den Schmerz, gelenkt, sondern auf das Positive. Hat der Patient in anderen Bereichen gute Erfahrungen bei der Bewältigung schwieriger Situationen gemacht, versucht die psychotherapeutische Arbeit, diese persönlichen Stärken und positiven Attribute nutzbringend auf die Schmerzproblematik zu übertragen. Zentral für das psychotherapeutische Vorgehen ist die Erhebung, Analyse und Besprechung erfolgreich bewältigter Krisen. Außerdem werden die Lebensbereiche erfasst, in welchen der Patient gut zurechtkommt. In einem dritten Schritt geht es darum, die Fälle und Situationen zu analysieren, in denen der Schmerz weniger stark war. Aus all diesen Analysen wird das Positive kondensiert. „Wichtig ist die Zuschreibung von Fortschritten auf eigenes Können und eigene Anstrengung, also eigenes Herbeiführen positiver Resultate, weniger darauf, dass das Ergebnis ‚doch nur Glück‘ war oder dass ‚es jeder gekonnt hätte‘“, erklärt Geissner.

In der Schmerzbewältigungstherapie lernen Betroffene konkrete Strategien wie Entspannungstechniken, Ablenkungsstrategien oder entlastende schmerzbezogene Fitnessübungen, um ihrem Schmerz zu begegnen.

„In der Arbeit mit chronischen Schmerz-Patienten sollte überzeugt darauf verwiesen werden, dass durch eine ausdauernde und zupackende Haltung, gezieltes Üben, Umbewerten von Lebenszielen und -stilen viel erreicht werden kann“, erklärt Gassner. „Es ist wichtig zu betonen, dass chronische Schmerz-Patienten nicht deswegen ‚zum Psychologen geschickt werden‘, weil nichts anderes hilft. Grundpfeiler heutiger Schmerztherapie ist die Auffassung von Schmerz als einem multidimensionalen Geschehen: Physiologisch, emotional-kognitiv, verhaltensbezogen und sozial“, erklärt er.

 

E. Geissner: Resilienz, Ressourcen, Bewältigung. Psychologische Rahmenkonzepte in der Behandlung chronischer Schmerzen. „Nervenheilkunde“ 2017 Vol. 36 Heft 5: 355-360. Zum Artikel

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Mehr zur Zeitschrift:

Die „Nervenheilkunde“ ist eine Fort- und Weiterbildungszeitschrift für Neurologen, Psychiater, Nervenärzte und Hausärzte. Ziel ist neben der Weitergabe aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, praxistaugliche Informationen zu vermitteln, die zur besseren Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Störungen beitragen. Regelmäßig werden Empfehlungen oder Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke veröffentlicht.
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