Professor Ulrich Sachsse mit Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

 

Prof. Ulrich Sachsse

Stuttgart, April 2017 – Dem Schattauer Autor Professor Ulrich Sachsse wird am 5. April 2017 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Landrat Bernhard Reuter des Landkreises Göttingen überreicht. Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck hatte im Dezember 2016 den Antrag des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil angenommen und würdigt damit die wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Arbeit des Psychiaters und Psychotherapeuten auf dem Gebiet der Psychotraumatologie.

 

Was treibt Menschen dazu sich selbst zu verletzen? Was geht in ihnen vor? Welches Trauma steckt möglicherweise dahinter? Diese Fragen beschäftigen Professor Ulrich Sachsse, der heute als Wissenschaftlicher Berater des Asklepios Fachklinikums Göttingen tätig ist, seit Beginn seiner Karriere. Er studierte Anfang der siebziger Jahre Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen, lernte als Medizinalassistent bei Hanscarl Leuner die Psychotherapie kennen und absolvierte anschließend Weiterbildungen zum Psychoanalytiker und in Kathathym Imaginativer Psychotherapie (KIP). Seine Approbation erhielt Professor Ulrich Sachsse 1976. Die Promotion folgte 1980 zur Gruppentherapie mit der KIP. In der Facharztweiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie kam er mit der frühen Traumaforschung in Kontakt. Sein Lehrer Ulrich Venzlaff befasste sich damals mit den psychiatrischen Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung. Professor Ulrich Sachsse arbeitete viele Jahre am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Göttingen (seit 2007 Asklepios Fachklinikum Göttingen) und war dort bis 2009 zunächst als Oberarzt und später als Funktionsbereichsleiter des Fachbereichs Psychotherapie und Tagesklinik tätig.

Anfang der 90er Jahre begann in Deutschland zunehmend die Auseinandersetzung mit dem Konzept „Trauma“. Es wuchs die Erkenntnis, dass schwere seelische Störungen oft das Resultat sexualisierter und physischer Gewalt in der Kindheit sind. Professor Ulrich Sachsse engagierte sich in der medial geführten Diskussion um Opfer und Täter und trug mit Informationen, die weder dramatisierten noch herunterspielten, zur Aufklärung bei. Aktuell setzt sich Professor Ulrich Sachsse für das neue Opferentschädigungsgesetz ein, damit weitere Trauma-Ambulanzen etabliert werden können, in denen Opfer sofort Hilfe bekommen.

Als einer der ersten hat sich Professor Ulrich Sachsse dem unverstandenen Symptom „Selbstverletzendes Verhalten“ bei traumatisierten Patientinnen mit schweren Persönlichkeitsstörungen gewidmet. Er entwickelte ein psychodynamisches Behandlungsvorgehen und etablierte eine Art „Spieltherapie“ für Erwachsene mit Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend sowie mit schlechten Bindungs- und Beziehungserfahrungen. Diese Methode wird seit 1996 an der unter Professor Ulrich Sachsse neu gegründeten Station 9 für Frauen mit komplexen Traumafolgestörungen am Asklepios Fachklinikum Göttingen angewendet und weiterentwickelt.

Für seine fachliche Arbeit zu den so genannten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen wurde Professor Ulrich Sachsse bereits mit dem international renommierten Dr.-Margret-Egner-Preis der Universität Zürich ausgezeichnet. Gemeinsam mit Dr. Birger Dulz, Professor Otto Kernberg, Professor Sven Olaf Hoffmann und Professor Michael Zaudig gründete er 1996 die Zeitschrift „Persönlichkeitsstörungen Theorie und Therapie (PTT)“ im Schattauer Verlag – bis heute das führende deutschsprachige Organ in diesem Bereich. Im Jahr 2001 gab er zusammen mit Dr. Birger Dulz und Professor Otto Kernberg erstmals das „Handbuch der Borderlinestörungen“ bei Schattauer heraus, das aktuell zusammen mit Professor Sabine Herpertz in der zweiten Auflage vorliegt und mittlerweile ein Standardwerk ist. Mit seinem Buch „Trauma und Justiz“, dass er zusammen mit Oberstaatsanwältin Kirsten Stang geschrieben hat, baut er eine Brücke zwischen der Aufarbeitung von Traumata als Straftat durch die Justiz und als Gesundheitsschädigung durch die Psychotherapie. Zuletzt hat Professor Ulrich Sachse das integrative Fachbuch „Selbst-Verletzung“ und den Erfahrungsbericht „Proxy – dunkle Seite der Mutterschaft“ – ebenfalls im Schattauer Verlag – veröffentlicht. „Wir freuen uns über die Ehre, die unserem langjährigen Autor und Herausgeber mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zu Teil wird“, kommentiert Dr. Wulf Bertram, Geschäftsführer des Schattauer Verlags. Professor Ulrich Sachsse spielte und spielt bis heute eine wichtige Rolle im Auf- und Ausbau des renommierten Psychotherapie-Programms von Schattauer.

Mit dem Bundesverdienstorden werden in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen ausgezeichnet sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland. Für sein Engagement, seine Aufklärungsarbeit und sein gesellschaftspolitisches Wirken im Bereich der Traumapsychologie erhält Professor Ulrich Sachsse das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

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