Molekularbiologische Grundlagen und Diagnostik der hereditären Defekte von Antithrombin III, Protein C und Protein S
I. Witt
Universität Freiburg i. Br.
Summary
Die enormen Fortschritte in der Molekularbiologie in denletzten Jahren ermöglichten sowohl die Aufklärung derNukleotidsequenzen der Gene für Antithrombin III(AT III), Protein C (PROC) und Protein S (PROS) alsauch die Identifizierung zahlreicher Mutationen beihereditären Defekten dieser wichtigen Inhibitoren desplasmatischen Gerinnungssystems. Da die Gene für AT III(13,8 kb) und PROC (11,2 kb) nicht groß und relativleicht zu analysieren sind, gibt es bereits umfangreiche»databases« der Mutationen (50, 73). Für AT III sind79 und für PROC 160 unterschiedliche Mutationenbeschrieben.Sowohl beim AT-III-Mangel als auch beim Protein-CMangelhat die Mutationsaufklärung neue Erkenntnisseüber die Struktur-Funktions-Beziehung der Proteinegebracht. Beim Protein-C-Mangel steht die klinischeRelevanz der DNA-Analyse im Vordergrund, da dieDiagnostik des Protein-C-Mangels auf der Proteinebenenicht immer zuverlässig möglich ist.Das Protein-S-Gen ist für die Analytik schwer zugänglich,da es groß ist (80 kb) und außerdem ein Pseudogenexistiert. Es sind schon zahlreiche Mutationen bei Patientenmit Protein-S-Mangel identifiziert worden. EineDatabase ist bisher nicht publiziert. Die klinische Notwendigkeitzur Mutationsaufklärung besteht ebensowie beim Protein-C-Mangel. Es ist zu erwarten, dasszukünftig die Identifizierung von Mutationen auch beimProtein-S-Mangel beschleunigt vorangeht.