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„Krokodil“ – eine neue Droge?

Zeitschrift:Nervenheilkunde
ISSN:0722-1541
Ausgabe:2012: Heft 1-2 2012 (1-100)
Seiten:69-72

„Krokodil“ – eine neue Droge?

M. Gahr (1), R. W. Freudenmann (2), C. Hiemke (1), I. M. Gunst (1), B. J. Connemann (1), C. Schönfeldt-Lecuona (1)

(1) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III, Universitätsklinikum Ulm; (2) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Mainz

Zusammenfassung

Dieser Artikel berichtet über die hinter der Bezeichnung „Krokodil“ stehende Substanz, ihre Geschichte, Risiken und epidemiologischen Aspekte. „Krokodil“ scheint ein erstmals 2003 in Russland verwendetes Substanzgemisch zu sein, dessen Wirkstoff Desomorphin ist. Desomorphin ist ein Opioidanalogon und kann preiswert und einfach im Heimlabor durch Aufkochen von kodeinhaltigen Tabletten mit weiteren Substanzen erzeugt werden. Die entstehende Suspension wird intravenös appliziert und verursacht infolge der multiplen toxischen Zusatzstoffe regelmäßig dramatische körperliche Schäden, wie z. B. Abszesse, Gangränen, Thrombophlebitiden. Da Desomorphin eine im Vergleich zu Morphin kürzere Halbwertszeit, einen rascheren Wirkeintritt und eine deutlich erhöhte Wirkstärke besitzt, weist es ein besonders hohes Abhängigkeitspotenzial auf. Die meisten Patienten aus Russland mit „Krokodil“-Abhängigkeit sind ehemalige heroinabhängige Patienten, welche infolge der besseren Verfügbarkeit die Substanz gewechselt hatten. Vor dem Hintergrund der berichteten Verdachtsfälle in Deutschland und der Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung ist es angezeigt, Patienten mit Heroinabhängigkeit über „Krokodil“ ausführlich zu informieren und Verdachtsfälle suffizient aufzuklären.

Stichworte

Substanzabhängigkeit, Heroin, Desomorphin, Morphin

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