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Welche Bedeutung hat die Knochendichte in der Hüftendoprothetik?

Zeitschrift: Osteologie
ISSN: 1019-1291
Thema:

Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel und Knochen

Ausgabe: Hefte von 2017 (Vol. 26): Heft 3 2017 (131-191)
Seiten: 157-163

Welche Bedeutung hat die Knochendichte in der Hüftendoprothetik?

Ergebnisse einer Online-Umfrage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

G. S. Maier, K. Kolbow

Stichworte

Knochendichte, Endoprothetik, DXA, Hüft-TEP

Zusammenfassung

Hintergrund: Zementfreie Implantate, Standard- und Kurzschaftprothesen, werden in der Hüftendoprothetik immer populärer. Bei der Verwendung dieser Implantate ist man allerdings auf eine ausreichende Knochenqualität angewiesen. Die Knochenqualität hat daher für das optimale Ergebnis einer Hüftendoprothesenversorgung eine immense Bedeutung. So wird nicht nur die Sicherheit der Prothesenverankerung und somit die Haltbarkeit der Endoprothese im Knochen, sondern hiervon auch die Zufriedenheit des Patienten beeinflusst. Die Knochenqualität des Knochens wird klinisch durch die Messung der Knochendichte, hauptsächlich mittels Dual-energy X-ray absorptiometry (DXA), festgestellt. Mit dieser Studie wollten wir untersuchen, ob die Knochendichte einen Einfluss auf die klinische Entscheidung des Operateurs in der Endoprothetik im deutschsprachigen Raum hat. Material und Methoden: Ein Fragebogen mit insgesamt 14 Fragen wurde per E-Mail an die Mitglieder verschiedener nationaler Orthopädievereinigungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesandt. In der Endoprothetik tätige Orthopäden und Unfallchirurgen wurden zu ihren Behandlungsmethoden in Bezug auf Knochendichte, Osteoporosediagnostik und spezielle Vorgehensweisen bei der endoprothetischen Versorgung von Patienten mit verminderten Knochendichtewerten befragt. Ergebnisse: Vier der angeschriebenen orthopädischen Gesellschaften (Swiss orthopaedics, Dachverband Osteologie, ÖGO, VSOU) baten ihre Mitglieder um Beantwortung des Fragebogens. 340 vollständig ausgefüllte Fragebogen konnten ausgewertet werden. Hiervon kamen 123 Antworten aus Deutschland, 121 Antworten aus der Schweiz und 88 Antworten aus Österreich. 72 % der Befragten nutzen zementfreie Implantate als Standard in der Hüftendoprothetik. Eine anamnestisch bekannte Osteoporose gaben 54 % der Orthopäden als Einflussfaktor in der Therapiefindung an. Über 60 % der Befragten erklärten, im Falle verminderter Knochendichte ihre Behandlungs- und Operationsmethoden neu zu überdenken, jedoch nur 4 % aller Teilnehmer messen regelhaft die Knochendichte präoperativ. 24 % der Befragten würden bei einem Knochendichtewert (T-Wert) zwischen –1,5 und –2 ihre OP-Strategie überdenken, 40 % bei einem Wert zwischen –2 und –2,5, 29 % bei Werten kleiner –2,5. 93 % aller befragten Orthopäden würden auf ein zementiertes Implantat wechseln. Bei dem intraoperativen Verdacht einer Osteoporose würden 27 % aller Befragten noch während des stationären Aufenthaltes mit einer Osteoporosediagnostik beginnen, 72 % würden diese im Entlassbrief empfehlen. Schlussfolgerung: Trotz der hohen Anzahl an älteren Patienten, die eine Hüfteendoprothese erhalten, und der in dieser Gruppe hohen Inzidenz von Osteoporose und Osteomalazie, gaben nur wenige der befragten Orthopäden an, eine präoperative Knochendichtemessung durchzuführen. Für die meisten der Befragten ist eine verminderte Knochendichte jedoch ein Grund, ihre Implantatwahl zu überdenken. Aufgrund des demografischen Wandels gewinnt die Auseinandersetzung mit dem Thema Osteoporose und Osteomalazie, insbesondere der Diagnostik und der notwendigen Therapie, zunehmend an Bedeutung.

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