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Die Psychodynamik der Sozialen Phobie

Zeitschrift: Die Psychodynamische Psychotherapie
ISSN: 1618-7830
Thema:

Soziale Ängste

Ausgabe: 2015 (Vol. 14): No. 2
Seiten: 67-75

Die Psychodynamik der Sozialen Phobie

S. O. Hoffmann

Stichworte

Scham, Psychodynamik sozialer Ängste, Selbstabwertung, Größenselbst, Projektion, Vermeidungsverhalten, Wahrnehmungsverzerrung

Zusammenfassung

Zur Sozialen Phobie ist in der Psychoanalyse insgesamt kaum gearbeitet worden; vermutlich geht dies auf die immer peripher gebliebene Rolle der Selbstpsychologie zurück. Ein einfaches Modell der soziophoben Psychodynamik könnte von einer Sicht des eigenen Selbst als defizitär ausgehen. Diese kann dann kompensatorisch zu einer unbewussten Überhöhung des Selbstbildes (grandioses Selbst) führen, das seinerseits projektiv weiterverarbeitet wird. Es sind nun die anderen, die zu viel vom Individuum erwarten. Daneben steht eine Reproduktion der biografisch erlebten sozialen Abwertung: die internalisierte gestörte Selbstwertschätzung wird externalisiert. Beide Projektionsinhalte sind abgrenzbar. Eine zur Hierarchisierung neigende Wahrnehmung ist deutlich. Im Zentrum der Dynamik steht die Befürchtung vor der Abwertung oder Beschämung durch andere mit dem entsprechenden Vermeidungsverhalten als vorrangiger Abwehrstil. Die Scham, ein eminent sozialer Affekt – Scham kann man nur im realen oder fantasierten sozialen Zusammenhang haben –, stellt die entscheidende vermittelnde Variable dar. Die Scham führt zu einer charakteristischen Tönung aller Wahrnehmungsprozesse und sie ist bei der Sozialen Phobie stärker ausgeprägt als bei jeder anderen neurotischen Störung. Ein unsicheres Bindungserleben scheint regelmäßig nachweisbar. Diese und weitere Komponenten tendieren dazu sich kurzzuschließen und wechselseitig zu verstärken.

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