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Ein markanter Freudscher Flüchtigkeitsfehler - Plädoyer für die Revision von Freuds Verwerfung der Trauma-Perspektive

Zeitschrift: Die Psychodynamische Psychotherapie
ISSN: 1618-7830
Thema:

Supervision und Selbsterfahrung

Ausgabe: 2009 (Vol. 8): No. 2
Seiten: 67-77

Ein markanter Freudscher Flüchtigkeitsfehler - Plädoyer für die Revision von Freuds Verwerfung der Trauma-Perspektive

Klaus Schlagmann

Stichworte

trauma, Katharsis, Ödipus, Verkehrung ins Gegenteil, Verschlechterungseffekte

Zusammenfassung

„Psychoanalyse“ meint für ihren Entdecker und Namensgeber, Josef Breuer, die Aussprache („talking cure“) von real erlebter Gewalt (Trauma). Von diesem Modell ist Sigmund Freud zunächst fasziniert, als er sich mit seiner eigenen „Hysterie“ (= psychosomatischen Störung) beschäftigt. Er gerät jedoch unter den suggestiven Einfluss des skurrilen Kollegen Wilhelm Fließ, der Freud auf die Betonung der Triebe einschwört. Der Perspektivenwechsel vom Trauma zum Trieb wird „belohnt“: Freud kann an der Verdrängung seines eigenen Familiendramas – zum Greifen nahe – festhalten. In seinem neu entwickelten Therapie- Verfahren, für das er den Namen „Psychoanalyse“ beibehält, fordert er weiterhin offene Aussprache – nun jedoch die der (angeblichen) triebhaften Verfehlung, anstatt der erlebten Gewalt. Seinem revolutionären Projekt einer „sprechende Medizin“ unterläuft hier ein markanter Flüchtigkeitsfehler. „Ödipuskomplex“ und „Narzissmus“ spiegeln seinen Zwiespalt: Als Paradebeispiele eines Trieb-Geschehens dienen Freud zwei Mythen, die von Traumatisierungen erzählen. Freud hält also unbewusst an Breuers Trauma- Modell fest. Neuere Erfahrungen mit dieser ursprünglichen Herangehensweise (Diehlmann 2006) zeigen ermutigende Ergebnisse.

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